Sie lachte, küßte den Freund und sagte:

„Fein haben wir unser Duettchen gesungen, was, Peterlein?“

„Ja, Jessica,“ sagte er.

„Mein armes Peterlein,“ fuhr sie fort, „wir passen aber schon gar nicht in diese Welt, wo man nur noch die Marseillaise singt! . . .“

„Und dabei wird sie immer so falsch gesungen!“ sagte Peter.

„Wir haben uns in der Station geirrt; wir sind zu bald ausgestiegen.“

„Ich fürchte sehr,“ sagte Peter, „die nächste Station wäre noch schlimmer gewesen. Kannst du dir vorstellen, Schatz, wie wir als Glieder der zukünftigen Gesellschaft leben, im großen Bienenkorb, auf den man uns vertröstet; wo jeder nur für die Bienenkönigin leben darf oder für die Republik?“

„Von früh bis Abend Eier legen wie ein Maschinengewehr oder von früh bis Abend fremde Brut ablecken . . . Schöne Wahl!“ sagte Lutz.

„Aber Lutz, du schlimmes Mädel, was du für häßliche Sachen redest!“ sagte Peter lachend.

„Ja, ich weiß, es ist sehr schlecht von mir. Ich tauge rein gar nichts. Aber du auch nicht, weißt du? Du hast so wenig das Zeug, Menschen tot zu machen oder zu verstümmeln, als ich zum Zusammenflicken von Verwundeten, wie man’s bei Stiergefechten mit den armen Pferden macht, denen der Bauch aufgeschlitzt wurde — damit sie das nächste Mal wieder zu gebrauchen sind. Wir sind nun einmal unnütze, gefährliche Geschöpfe; wir haben einen lächerlichen, sträflichen Vorsatz gefaßt, wir wollen ja nur für alle die leben, die wir lieb haben, und lieb haben wir unseren kleinen Schatz, ein paar Freunde, alle guten Leute, die kleinen Kinder, den schönen lichten Tag, auch gutes weißes Brot, eben alles, was schön ist und dem Gaumen wohltut. Es ist einfach eine Schande, eine Schande, sag’ ich dir! Wirst du gar nicht rot für mich, Peterlein? . . . Aber wir werden unsere Strafe schon kriegen! Wenn die Erde bald nur noch eine große Fabrik mit Staatsbetrieb sein wird, der ohne Rast noch Ruh funktioniert, dann gibt’s für uns keinen Platz da drin . . . Nur ein Glück, daß wir dann nicht mehr da sind!“