„Nach hundert Jahren,“ seufzte Lutz. „Der ist aber bescheiden! . . .“
„Denn irr ich nicht, dann ist ein größer Glück
Ein solcher Tod in Dir, als das Geschick
Des Caesar oder Alexanders Los.“
„So ein schlimmer, schlimmer, schlimmer kleiner Nichtsnutz, schämst du dich gar nicht? In dieser Zeit der Helden!“
„Es sind ihrer zu viel,“ sagte Peter. „Ich will lieber ein kleiner Junge sein, der wen lieb hat, einfach ein Menschenjunges, aus Menschenleib.“
„Sag’ lieber aus Frauenleib! Hast ja noch meine Brustmilch am Schnäblein,“ sagte Lutz und drückte ihn an sich. „Mein Menschlein, meins!“
Wer jene Tage mitgemacht, aber dann die überwältigende Wendung des Kriegsglücks erlebt hat, erinnert sich gewiß kaum mehr an das schwere, drohende Brausen der Flügel, die in dieser einen Woche Frankreichs Kernland dem Blick entzogen und sogar Paris mit ihrem Schatten streiften. In der Freude der Erlösung wirft man überstandene Prüfungszeiten weit hinter sich. Der deutsche Ansturm gipfelte in der Karwoche zwischen Montag und Mittwoch. Die Somme überschritten, Bapaume, Nesle, Guiscard, Roye, Noyon, Albert genommen, elfhundert Kanonen erbeutet. Sechzigtausend Gefangene . . . Es war ein Sinnbild für dies Zertreten des begnadeten Landes der Anmut, daß am Kardienstag der Schöpfer zarter Harmonien, Debussy, verstarb. Die Lyra zerbrach . . . „Armes kleines Griechenland, du stirbst!“ . . . Was davon übrigbleibt? Ein paar ziselierte Gefäße, ein paar rein vollendete Stelen, die bald das Gras der Gräberstraße überwuchert. Unsterbliche Überreste des zerstörten Athen . . .