Peter und Lutz sahen wie von eines Hügels Höhe den Schatten, der über die Stadt kam. Sie waren noch ins Strahlenkleid ihrer Liebe gehüllt und so erwarteten sie furchtlos das Ende ihres kurzen Lebenstages. Sie durften ja zu zweit in die Nacht tauchen. Mit süßer Wehmut gedachten sie der schönen Akkorde Debussys, die ihnen so lieb gewesen waren; wie Abendgeläute verhallten die in der Tiefe. Mehr als je befriedigte gerade die Musik den innersten Trieb ihrer Herzen. Nur diese Kunst war Stimme der befreiten Seele; ihr Ton drang zu ihnen durch den Schleier der Dinge und Gestalten. Am Gründonnerstag wandelten sie wieder — Lutz war in Peter eingehängt und hielt seine Hand umfaßt — auf regenweichen Wegen an der Stadtgrenze. Windstöße fuhren über die nasse Fläche. Sie merkten weder Regen noch Wind, noch die öde Häßlichkeit der Felder, noch den Kot auf der Straße. Sie setzten sich in die niedere Bresche einer halb eingestürzten Parkmauer. Peters Regenschirm reichte kaum hin, Lutzens Kopf und Schultern zu schützen; so saß sie mit baumelnden Beinen und nassen Händen auf der Mauer und sah zu, wie es von ihrem Gummimantel nur so troff. Wenn der Wind in die Äste fuhr, gab es ein kleines Gewehrgeknatter von Regentropfen: „pak, pak!“ Lutz bewahrte das lächelnde Schweigen still seliger Entrücktheit. Tiefe Freudenflut umspülte sie.
„Warum haben wir uns nur so lieb?“ sagte Peter.
„Ach Peter, dann hast du mich nicht einmal so lieb, wenn du erst fragst: warum.“
„Ich frag’ ja nur, damit du sagst, was ich gerade so gut weiß wie du.“
„Du angelst Komplimente,“ sagte Lutz. „Aber da kommst du an die Rechte. Vielleicht weißt du, warum ich dich lieb habe. Ich weiß es nicht.“
„Du weißt es nicht?“ fragte Peter ganz bestürzt.
„Freilich nicht!“ (Sie lächelte verstohlen.) „Aber ich brauch es auch gar nicht zu wissen. Wenn man erst nach dem Warum einer Sache fragt, so steht’s schon schwach damit. Ich hab’ dich eben lieb’ und da brauch’ ich kein Warum, kein Wieso, kein Wann und Woher! Meine Liebe, die spür’ ich, die ist da, die ist da! Was sonst noch da sein mag — das ist mir gleich.“
Sie neigten sich im Kusse zueinander. Bei dieser Gelegenheit langte der Regen unter den ungeschickt gehaltenen Schirm und fuhr ihnen mit den Fingern über Haar und Wangen; ihre Lippen sogen ein kaltes Tröpfchen ein.
Peter sagte:
„Aber die andern?“