»Wodurch zeichnet sich denn gegenwärtig der höhere Mensch aus – nach Ihrer Meinung?«
»Durch sein Herz!«
Elmenreich wandte sich mit einem Ruck nach dem phänomenalen Gebiß um. »Wie? Durch sein Herz? Was ist das Neues? Seit wann sind Sie auf das Herz verfallen?«
»Ich suche nur mehr Menschen von Herz. Gedanken sind überflüssig und unangenehm; Gefühl ist das Einzige, was das Leben erträglich macht. Ich bin für die schönen Gefühle; alles andere lehne ich gegenwärtig ab.«
Elmenreich lachte höhnisch und sagte zu mir gewendet laut: »Dieser Doktor Kranich hat immer geniale Einfälle! Es ist ja unendlich wohlfeiler, auf Gefühle zu posieren als auf Gedanken. Gedanken muß man mindestens irgendwo gelesen haben, während man Gefühle ohne weiteres aus Eigenem bestreiten kann –«
Obwohl Dr. Kranich hierauf ein jauchzendes Lachen ausstieß und sich vor Vergnügen auf den Zehenspitzen schaukelte, fand ich es nicht ganz behaglich, so als Schallwand für Elmenreichs Glossen zu dienen.
»Das ist Dr. Kranich?« fragte ich, um das Gespräch abzubrechen. »Da muß also auch Pipin wieder hier sein?«
»Oh meine Gnädigste – I beg your pardon, Elmenreich hätte mich wohl vorstellen können –«
»Die gnädige Frau ist menschenscheu, man darf ihr niemanden vorstellen«, brummte Elmenreich.
Daraufhin blieb mir nichts übrig, als in Dr. Kranichs Gelächter einzustimmen. Ich bemerkte, daß über seinen herrlichen Zähnen zwei schwarze, stechende Augen funkelten, die durchaus nicht mitlachten.