»Was aber Pipin betrifft, meine Gnädigste, so muß ich bemerken, daß wir beide keineswegs inséparables sind, wie Sie anzunehmen scheinen –«

»Na, lieber Arthur, wenn Sie wirklich die Menschen nach dem Herzen taxieren, dann können Sie sich nur eine Ehre daraus machen, mit Pipin in einem Atem genannt zu werden.«

Dr. Kranich jauchzte wieder laut auf.

»Unbezahlbar, dieser Elmenreich!« sagte er wie überwältigt vor Vergnügen. »Ist er nicht amüsant, gnädige Frau? Was für eine himmlische Grobheit! Darin ist er unübertrefflich, unnachahmlich! Ich kenne auf beiden Hemisphären keinen Menschen, der ihm darin gleich käme. Aber Sie haben recht, Elmenreich: ich sollte in Pipins Gesellschaft mein Herz zu bilden suchen. Und ich will gleich den Anfang damit machen.«

Er lüftete den Hut und schwang sich mit behenden Sätzen die Stufen hinab, die zur Kirche führten. Etwas Mutwilliges, Selbstbewußtes, Ueberlegenes war in seinen Bewegungen, wie er so hinuntersprang. Seine Gestalt war schlank und biegsam; der schwarzblaue Stoff seiner enganliegenden Kniehosen zeichnete in knappen Falten langgestreckte, elegante Glieder. Er erinnerte an eine jener königlichen Katzen des Südens, die eben so schön sind als gefährlich, an einen schwarzen Panther, der wohl gezähmt ist, vor dem man aber doch auf der Hut bleiben muß.

Unter der Kirchenthür erschienen eben so ziemlich als die Letzten eine auffallend schöne junge Dame und an ihrer Seite ein unbedeutend aussehender, ganz junger Mann, mit einem blonden Backenbärtchen, das wie der Flaum eines eben ausgekrochenen Küchleins war. Hinter ihnen tauchte noch eine Uniform mit goldenem Kragen und ein bunter Blumenhut von ansehnlichem Umfang auf.

Elmenreich wandte sich ab. »Gehen wir, bevor sich diese ganze Gesellschaft uns an die Fersen hängt«, sagte er finster.

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(Aus einem Briefe.)

6. Juli 1893.