Dr. Kranich befühlte angelegentlich den Wettermantel. Na, das sei aber doch nicht der Rede wert! Elmenreich scheine noch keine ernsthaften Strapazen mitgemacht zu haben, wenn er über ein bißchen Feuchtigkeit schon außer Rand und Band komme –
Ja, ja, er wisse schon, am Ohio und Mississipi sei der Regen viel nässer als in Europa –
»Sehen Sie nur, Fräulein Eugenie: Dieser Mensch sagt viel lieber mir eine Bosheit, als Ihnen ein Kompliment. Elmenreich, das ist kein schöner Charakterzug von Ihnen. Gestehen Sie doch ohne schäbige Ausreden, warum Sie so rasch wieder zurückgekommen sind.«
Aber Elmenreich wurde gleich sehr übellaunig. Er verbat sich trocken solche »geschmacklose Bemerkungen«, setzte sich halb abgewendet an den Tisch und versank in Schweigen.
Auch Eugenie war mit Elmenreichs Erscheinen vollkommen stumm geworden.
Dr. Kranich machte einige Versuche, unbefangen sein Gespräch fortzusetzen; zuletzt sagte er mit einem sonderbaren Lächeln:
»Ich sehe, Elmenreich, Sie sind entschlossen, mich wegzuschweigen. Sie haben mit Fräulein Eugenie Dinge zu reden, bei denen ich überflüssig bin. Nun denn, als großmütiger Rivale räume ich freiwillig das Feld. Kann man ethischer handeln?«
Elmenreich erblaßte vor Aerger, Eugenie errötete. Lachend entfernte sich Dr. Kranich und gesellte sich zu einer Gesellschaft am anderen Ende des Saales.
»Ich – ich fürchte mich beinahe vor Dr. Kranich«, flüsterte Eugenie mit einem Blick auf Elmenreich. »Er thut und sagt immer gerade dasjenige, womit er jemandem am meisten Aerger oder Verlegenheit bereiten kann.«
»Das fehlte noch, daß die jungen Damen anfangen, sich vor ihm zu fürchten«, versetzte Elmenreich aufgebracht. »Machen Sie ihm um Himmels willen nicht das Vergnügen, sich durch ihn in Verlegenheit setzen zu lassen!«