An der Thür begegnete er zwei Ankommenden. Es war das schöne Mädchen und die Uniform mit dem goldenen Kragen. Als diese Beiden herankamen, stieß der Besitzer des verdorbenen Magens einen Ruf der Erleichterung aus.

»Ah, da sind Sie endlich, Herr Oberst! Wir warten schon mit Schmerzen auf Sie. Bei diesem verzweifelten Wetter weiß man ja gar nicht, wie man die Zeit totschlagen soll, wenn man nicht seine Partie Tarock hat.«

Der Oberst grüßte ziemlich unterthänig; er gestand nach gewissenhafter Vergleichung der Taschenuhren eine Verspätung von zehn Minuten zu und entschuldigte sich umständlich. Eugenie habe durchaus mitgehen wollen; aber Frauenzimmer und Pünktlichkeit –! Deshalb sollte ein Soldat von Rechtswegen niemals heiraten; eine Frau und eine erwachsene Tochter, das belade einen Soldaten mit zu vielen weiblichen Ansprüchen –

Er schien unversehens die Tarockpartie mit einer Schlacht zu verwechseln und redete sich in Eifer.

Der Besitzer des verdorbenen Magens wandte sich mit einem galanten Lächeln gegen die Tochter. Einer so schönen Sünderin sei ja doch im Voraus alles verziehen; wer würde da nicht sofort die Waffen strecken –?

Dame Eugenie stand unnahbar; sie antwortete weder auf die Vorwürfe, noch auf das Kompliment mit der geringsten Veränderung ihrer Miene.

Indessen legte sich Dr. Kranich ins Mittel und nahm dem ungestümen Soldaten die weitere Sorge für seine weibliche Bürde ab, indem er ihr, nicht ohne korrekt um meine Erlaubnis gebeten zu haben, einen Platz an unserem Tische anbot. Und dann begann er mit ihr ein Gespräch über Toiletten und Frisuren, in Ausdrücken und Wendungen, als ob er selbst eine Dame oder ein Schneider wäre. Er kritisierte ihren Anzug vom Kopf bis zu den Füßen, lobte und tadelte mit Kennermiene. Durch eine geschickte Handbewegung lüpfte er sogar den Saum ihres Rockes, um die »dessous« zu prüfen.

Sie ließ alles gleichgiltig geschehen. Mit gesenkten Augen gab sie kurze einsilbige Antworten; wenn sie ihre Augenlider einmal aufschlug – langsam und müde, als ob das Gewicht dieser dunklen, langen Wimpern nicht zu heben wäre – so that sie es, um einen Blick in die Richtung der Eingangsthüre zu werfen. Sie schien zerstreut und unruhig; sie hörte nur mit halbem Ohre zu, kam mir vor.

Es konnte noch keine Viertelstunde vergangen sein, als sich die Thür öffnete und Elmenreich wieder eintrat.

»Unerträglich, dieses Wetter«, sagte er und schüttelte die Tropfen von seinem Wettermantel. »Keine Möglichkeit, eine Viertelstunde Luft zu schnappen, ohne bis auf die Haut durchnäßt zu werden.«