»Das läßt sich nicht definieren. Alles an ihm war lächerlich; er hatte ein lächerliches Air; wenn er eine Bewegung machte, so sah er lächerlich aus, und wenn er etwas sagte, so bekam es gleich einen lächerlichen Anstrich – mit einem Wort, er war eben ein lächerlicher Mensch.«

»Merkwürdig! Ein Mensch von so grenzenloser Herzensgüte müßte doch eher etwas Sympathisches haben, namentlich für Frauen, sollte man meinen. Aber ich bemerke, daß es gerade die Frauen sind, die ihn lächerlich finden.«

»Herzensgüte! Was nennen Sie denn seine Herzensgüte? Er ist ein schwacher und bornierter Mensch, alles in allem; zuerst hatte ihn seine Frau am Gängelband und jetzt Mutter und Schwester –«

»Aber ganz und gar nicht, meine Gnädigste! Wenn es nach dem Willen seiner Angehörigen gegangen wäre, hätte er gegen seine Frau von aller Schärfe des Gesetzes Gebrauch machen müssen. – Wie die Dinge lagen, wäre er nicht verpflichtet gewesen, ihr auch nur einen Kreuzer auszusetzen. Und Sie wissen ja, daß seine Frau von Hause aus gänzlich unbemittelt war. Er aber hat, gegen den Willen seiner Angehörigen, wohlgemerkt, in der freigebigsten Weise für sie gesorgt, so freigebig, daß er sich selbst, trotz seines Reichtums, manche Einschränkung wird auferlegen müssen.«

»Das war sein Fehler von allem Anfang an«, sagte eine alte Dame stirnrunzelnd. »Er hätte seiner Frau von Anfang an den Herrn zeigen müssen, statt ihr in allen Dingen nachzugeben. Eine Frau, die sich nicht vor ihrem Manne fürchtet, wird sich immer allerhand erlauben, was schließlich auf Abwege führt.«

* * *

Während der letzten Jahre hatte ich Josef Balthasar Stöger allmählich aus den Augen verloren; und der unglückliche Ausgang seiner Ehe schien mir nicht der geeignete Anlaß, neuerdings mit ihm anzuknüpfen. Es wäre für ihn nur eine schmerzliche Mahnung gewesen, daß er seinen Weg nicht mit Glück gegangen war – eine doppelt schmerzliche Mahnung, weil auch ich seinerzeit zu denen gehörte, die ihn davon abzuhalten suchten.

Der Zufall wollte es, daß ich am Tage nach dem voranstehenden Gespräch einen Brief von ihm erhielt.

An Bord des »Cristoforo Colombo«
27. März 1900.

Verehrte Frau!