»Ach so! Nun ja; bringen Sie mir ein Glas Wasser, ich bitte!«

Dann öffnete er seinen Mantel über der Brust. Ein gelbliches Baumwolltuch, das ein herausfordernd ungewaschenes Aussehen hatte, erschien an der Stelle, die bei anderen Europäern durch eine Kravatte eingenommen wird. Es war kreuzweise übereinandergelegt und durch eine umfangreiche Agraffe von rätselhaften Umrissen zusammengehalten.

Er langte in die linke Brusttasche und zog ein flaches Glasfläschchen mit einer hellgelben Flüssigkeit heraus, das er vor sich auf den Tisch stellte. Dann langte er in die rechte Brusttasche und zog ein Pergamentsäckchen heraus, das er gleichfalls vor sich hinstellte.

Sämtliche Anwesende verfolgen mit gespanntem Interesse jede seiner Bewegungen. Selbst der Graf unterbricht sein ergebungsvolles Kauen, winkt den Kellner zu sich und fragt:

»Wer ist dieser Fremdling?«

Die Nachricht, daß derselbe nur ein unbekannter Passant sei, vermindert das Interesse keineswegs. Niemand ißt mehr; alle Gespräche sind verstummt; die Kellner stehen herum und glotzen ihn an.

Und in diesem feierlichen Schweigen entkorkte der Fremdling gelassen, als wäre er allein auf der Welt, sein Fläschchen, goß einige Tropfen Oel in seine hohle Hand, schüttete aus dem Pergamentsäckchen einige Erbsen dazu, und ließ sie, indem er sich weit zurückbeugte, in seine Mundhöhle verschwinden. Das wiederholte er, bis das Pergamentsäckchen leer war. Dann reinigte er seine Hände, indem er sie gegeneinander rieb und sich ein paarmal über die Haare fuhr. Zuletzt trank er das Glas Wasser aus und rief:

»Kellner, zahlen!«

Der Kellner bemerkte spöttisch, daß das Wasser vorläufig noch umsonst zu haben sei.

Aber mit unstörbarer Freundlichkeit griff der Fremdling abermals in die Falten seines Prophetenmantels, zog einen Silbergulden heraus und überreichte ihn dem Kellner.