»Für Ihre Mühe, lieber Freund«, sagte er wie oben.
*
»Pipin, gaffen Sie diesen verehrungswürdigen Mann nicht so unverschämt an«, ermahnte Dr. Kranich ernst.
»Was? Verehrungswürdig?« versetzte Pipin, der sich vor Lachen nicht mehr halten konnte. »Das ist doch ein Narr, oder ein Geck! Warum würde er sonst seine Mahlzeit hier, statt an dem nächstbesten Brunnen, einnehmen? Hab ich nicht recht, Dr. Elmenreich?«
Elmenreich stieß nur einen Laut unaussprechlicher Verachtung aus.
Dr. Kranich jedoch erklärte mit erhöhtem Gewicht, ein Mensch, der es verstehe, sich mit so unbeweglicher Seelenruhe zum Gegenstand des allgemeinen Gelächters zu machen, sei ein wahrhaft überlegener Mensch. »Sie, lieber Pipin, halten es vielleicht für ein Zeichen von Mut und Ueberlegenheit, wenn ein Mensch sich duelliert, wozu jeder beliebige Leutnant die Seelenstärke aufbringt. Aber sich dem öffentlichen Spott aussetzen und nicht mit einer Wimper zu zucken, hundert Augen mit Geringschätzung auf sich gerichtet sehen und nicht einen Moment die Fassung zu verlieren, sich lächerlich machen mit vollem Bewußtsein, das können nur die ganz seltenen Menschen. Ich werde mich ihm zum Zeichen meiner Hochachtung vorstellen.«
Gerade als Dr. Kranich sich anschickte, seinen Vorsatz auszuführen, stand der Fremdling auf und entfernte sich. Vorher hatte er seine Busennadel aus dem Baumwolltuch gezogen und sie als Lesezeichen in das Buch gesteckt, das er auf dem Tische liegen ließ.
»Nun, Doktor Kranich«, sagte Elmenreich, »da Sie soviel Courage haben, gehen Sie doch einmal nachsehen, was für ein Buch das ist, in dem Ihr Held so dringend zu lesen hat.«
»Fürchten Sie sich nicht, Elmenreich, Ihre Neugier soll befriedigt werden auch ohne mich. Pipin, das ist eine Aufgabe für Sie. Stehen Sie unauffällig auf, gehen Sie unauffällig an dem Tisch vorbei und lesen Sie unauffällig den Titel des Buches.«
Pipin traf vor dem Tische mit einem Dutzend anderer Abgesandter zusammen. Er kehrte sehr nachdenklich zurück.