»Sie sind ein Kindskopf! Welchen Wert glauben Sie denn, daß solche bestellte Vertrauensbeweise haben können?«

»Also nein, nicht als Beweis von irgend etwas. Sondern sagen Sie es mir nur als Menschenkenner, als Mann von überlegenem Urteil, als Ihre ganz persönliche Meinung –«

»Ich weiß nicht, was Sie wollen. Fragen Sie doch lieber die gnädige Frau; wenn es sich um Frauen handelt, muß man immer Frauen fragen; die sehen da viel schärfer als wir Männer.«

»Daran zweifle ich nicht: aber wenn es nun gerade Ihr Urteil ist, das mich interessiert, Ihre ganz persönlichen Empf – wie soll ich denn nur sagen, damit Sie nicht unangenehm berührt sind, oder damit Sie mich nicht für zudringlich halten –? Ihre persönliche Meinung halt!«

»Hol mich Gott, was haben Sie denn vor, Pipin? Wollen Sie dieser jungen Dame einen Heiratsantrag machen?«

»Gesetzt den Fall – was würden Sie dazu sagen?«

Elmenreich faßte Pipin mit beiden Händen bei den Schultern und schüttelte ihn heftig. »Mensch, Mensch, Sie werden doch nicht –?«

Pipins Miene schien ihn zu beruhigen. Er ließ ihn los, ging ein paarmal auf und ab, und sagte dann kühl:

»Also meine persönliche Meinung über Fräulein Eugenie! Mna! Lieber Pipin, über junge Mädchen giebt es kein Urteil. Wer soll denn erraten können, was für ein Schmetterling aus einem solchen Seidencocon ausfliegen wird? Und was meine persönliche Meinung über die Ehe betrifft, so kann ich Ihnen nur sagen: entweder man muß den Mut haben, kopfüber hineinzuspringen, auf den ersten Anlauf, ohne einen Blick in die Tiefe zu werfen, als Abenteurer und Glücksritter; oder – nun, sobald man sich besinnt, ist es aus; man kehrt tausendmal lieber um und geht den langweiligen ebenen Weg der Junggesellenexistenz allein weiter, als daß man sich in diesen schauerlichen Abgrund stürzt, der da vor einem liegt.«

»Aber ganz so schrecklich kann die Sache nicht sein, da doch die meisten Menschen den Sprung machen!«