Eugenie sah ihn mit ihren großen, etwas zu runden Augen sprachlos an. Sie war sehr rot – aber es konnte auch vom Reflex des roten Schirmes sein, den sie aufgespannt auf der Schulter liegen hatte.
* * *
Bei Tisch, nachdem der Graf sich mit Pipin entfernt hat.
Dr. Kranich: »Ich behaupte: Der Mann achtet im Grunde keine Frau, die er – parbleu, jetzt hätt' ich beinahe Ihre Anwesenheit vergessen, meine Gnädigste! Wenn ich mich also für Damenohren ausdrücken soll: Der Mann achtet im Grunde kein weibliches Wesen, in das er mit Erfolg verliebt ist.«
Elmenreich: »Eine feine Ansicht von der Liebe!«
Dr. Kranich: »Ansicht? Lieber Elmenreich, Sie scheinen den naiven Glauben der Mindergebildeten zu teilen, daß der höhere Mensch seine »Ansichten« wie Kleider trägt, die man an- und ausziehen kann –«
Elmenreich: »Na, zum Mindesten bemerke ich, daß er sie nach der Mode an- und auszieht.«
Dr. Kranich – »alle echten Ansichten aber sind Spiegelungen einer Seele. Schicksale, Elmenreich. Warum bemoralisieren Sie meine »Ansicht« von der Liebe? Hand aufs Herz, Elmenreich: geht es Ihnen denn besser?«
Elmenreich stößt einen unartikulierten Laut aus, ungefähr wie jemand, der eine Fliege von seiner Nase wegscheuchen will.
Dr. Kranich lächelt unmerklich, zieht seine Dose aus der Tasche und dreht sich mit wunderbarer Geschwindigkeit eine Cigarette. Während er sie anzündet: »Zu Ihrer Zeit, Elmenreich, hat sich der höhere Mensch eben nur seine »schönen« Gefühle eingestanden; heute weiß er, daß er sich alles eingestehen kann, was in ihm ist, weil es in ihm ist. Basta cosi.«