»Hei, was für ein schönes Wild«, rief Dr. Kranich. »Es scheint ja, daß auf diesem lauschigen Plätzchen alle Rendezvous des Ortes abgehalten werden –«

Er trat rasch vor und stieß sein Geschrei von früher aus: »Hulli, hulli ho, hoiho –«

Die weiße Gestalt blieb stehen wie angewurzelt.

»Hierher, Fräulein Eugenie, hierher! Hier finden Sie eine erlesene Gesellschaft. Hulli ho, hulli ho!«

Die weiße Gestalt rührte sich nicht. Dr. Kranich sagte lächelnd zu mir: »Ich hoffe, Sie verraten nicht, daß das ein Warnungsruf für verirrte Kühe ist. Die norwegischen Kühe scheinen im allgemeinen intelligenter zu sein als die hiesigen.«

Da die weiße Gestalt immer noch unbeweglich stand, setzte er hinzu: »Hier muß man wohl deutlicher reden«, und lief ihr entgegen.

Sie standen einige Augenblicke in der Sonne beisammen, ehe sie herauf kamen.

Eugenie sah aus wie eine aus den Wolken gefallene Göttin. Reizend angezogen: ein Kleid aus weißer Battist-Stickerei, um die Taille ein breites, rotblumiges Seidenband, das rückwärts in langen Schleifen hinabfiel. Dazu ein hochroter Sonnenschirm.

In ihrer apathischen Weise sagte sie zu mir: »Was für ein Zufall! Ich wollte einmal ganz planlos durch den Wald streifen – und nun trifft man sich doch wieder!«

Dr. Kranich lächelte spöttisch. »I beg your pardon, Fräulein Eugenie, aber für einen solchen Streifzug sind Sie nicht ganz praktisch toilettiert! Gestehen Sie's doch lieber: Sie haben hier herum ein Rendezvous, bei dem Sie keine unverhofften Zeugen brauchen können. Die gnädige Frau und ich werden Ihnen das Feld räumen.«