»Deshalb mache ich ja diese Bemerkungen, meine Gnädigste. Hätten sie sonst einen Zauber für mich?«
Und dann entwickelt er seine Anschauungen über den »Fall Elmenreich«.
»Ein verwundeter Ehrgeiz ist die Quelle seiner Bitterkeit. Aber nie würde er es seinem Ehrgeiz abgewinnen, das einzugestehen. Daß er nicht etwas Großes werden konnte, hat ihn gehindert, überhaupt etwas zu werden. Er ist ein chercheur, der nichts gefunden hat. So geht er herum wie alle ratés, räsonniert über die gähnende Leere des Daseins, über das Illusionäre der menschlichen Bestrebungen, und rechtfertigt sich selbst, indem er alles, Menschen, Dinge und Gedanken, »durchschaut« und ihre Nichtigkeit nachweist –«
»Er gehört zu den Menschen, die an sich selber leiden –«
»Das heißt, er ist so eine Art geistiger Flagellant. Er geißelt sich und verschafft sich dadurch die Wollust, sein ohnmächtiges Selbstbewußtsein in Zuckungen zu versetzen. Und er ist grausam wie alle Ohnmächtigen; er geißelt auch die anderen mit. Wenn er schon vor sich selber nichts gilt, so sollen auch die anderen nichts gelten. Das ist charakteristisch für die Menschen mit defektem Selbstbewußtsein: es fehlt ihnen das Organ, das die Wertschätzung anderer erst möglich macht. – Warum erweisen Sie mir die Gnade, mich anzulächeln?«
»Nun, Doktor Kranich, ich denke: Sie gehören nicht unter die Menschen mit defektem Selbstbewußtsein –«
»Beim Zeus, nein!«
»Aber das »Organ der Wertschätzung anderer« ist bei Ihnen doch verkümmert geblieben.«
Jauchzendes Gelächter.
Eine wunderliche Begleitung, dieses überschäumende Lachen, zu dem Gespräche, das Elmenreich indessen mit Eugenie – oder vielmehr mit sich allein – führt!