»Ave, ave, Gottgeliebter«, sagte er laut zu ihm. »Und zum Zeichen, wie groß und aufrichtig mein empressement ist, erlaubt mir, teurer Meister –« er ergriff seine Hand und führte sie an seine Lippen.
Der Meister, verwirrt vielleicht durch seinen Sturz oder noch verloren in die Gedanken seines Vortrages, beachtete diese Huldigung nicht. Zerstreut und unruhig musterte er den Wiesengrund um sich herum.
Auch Eugenie trat auf ihn zu. Ihre Miene war so rätselhaft wie immer; kein Zug verriet eine Bewegung ihres Innern. Sie verbeugte sich leicht gegen den Grafen. »Ich folge dem Beispiel«, sagte sie und küßte die Hand des Meisters auf die Stelle, wo eben früher die Lippen des Grafen sie berührt hatten.
Gerade in dem Augenblick, als diese Huldigungen dem Meister dargebracht wurden, kam aus dem Walde hinter uns eine weibliche Gestalt. Es war die Hausfrau des Meisters. Sie trug auf dem Kopf, in ein grobes Tuch mit den vier Ecken zusammengebunden, ein ungeheures Bündel Heu – die landesübliche Art, das Heu von den steilen Berglehnen in die Scheunen zu bringen. Ihre magere Gestalt verschwindet beinahe unter der Last, die sie auf ihrem Kopf balanciert; und als sie nun stehen bleibt und nach dem Bündel faßt, kann man sehen, wie diese dünnen, fleischlosen Arme vor Anstrengung zittern. Etwas Hastiges, Unsicheres, Leidenschaftliches liegt in ihren Bewegungen.
Rasch hatte sie das Bündel über ihren Rücken auf die Erde gleiten lassen und war auf den Meister hingestürzt. Sie faßte als die dritte seine Hand, küßte sie mit Inbrunst und behielt sie in ihren gefalteten Händen eingeschlossen. Dann, als würde sie jetzt erst die fremden Zuschauer gewahr, ließ sie plötzlich die Hand fahren, und kehrte mit einem unterdrückten Aufschluchzen zu ihrem Heubündel zurück, das sie hinter sich her ins Haus schleifte.
Der Meister hatte alles ohne Widerstand über sich ergehen lassen. Er war noch immer wie abwesend. Endlich stammelte er:
»Ich – ich – der Zwicker ist mir heruntergefallen – meine hochgradige Kurzsichtigkeit – wenn Sie die Güte hätten, zu suchen – aber mit Vorsicht, bitte, damit er nicht zertreten wird – ich habe keinen zweiten bei mir –«
Sogleich begann ein eifriges Suchen nach dem Augenglas. Seite an Seite mit Eugenie durchstöberte der Graf das Gras. Pipin, der während des Tanzes verlegen und unglücklich zu Boden gestarrt hatte, kam dienstfertig herbei und half mit.
Da erschien Elmenreich auf dem Schauplatz der Ereignisse. Auf seinen Wangen brannten zwei scharfabgegrenzte Flecken, sein Bart war zerwühlt; er hatte den Hut ganz auf die Augenbrauen herabgerückt.