Gnädig sagt Eugenie: »Dr. Kranich wird sich zu Füßen der Königin niederlassen, nicht wahr, damit der arme Pipin seine Belohnung behält?«

Und Dr. Kranich läßt sich zu Füßen der Königin nieder. Er stützt sich halbliegend auf seinen linken Ellbogen; dieser Ellbogen versinkt in die blaßlila Falten, unter denen der kleine braune Schuh verschwunden ist.

Während Pipin sein Obst verzehrt, hält ihm Dr. Kranich eine Predigt über das Unmoralische des Essens, dieser doppelt egoistischen Beschäftigung. Denn erstens esse man stets für sich und niemals für einen anderen, und zweitens vernichte man dabei immer irgend ein Lebewesen, das doch die gleichen Ansprüche auf das Dasein habe, als man selbst, und wäre es auch nur ein Kohlhäuptel. Die einzige halbwegs moralische Nahrung seien abgefallene Blätter – weshalb die Menschheit, wenn sie sich auf ein höheres sittliches Niveau erheben wolle, sich vor allen Dingen zum ausschließlichen Genuß abgefallener Blätter bekehren müsse –

Pipin warf einen prüfenden Blick auf Dr. Kranich. Durch den Ernst in dessen Mienen getäuscht, versuchte er einzuwenden, daß abgefallene Blätter vielleicht nicht genug Nährwert besäßen, als daß die Menschheit dauernd davon leben könnte –

Gut, die Menschheit könnte vermutlich dauernd nicht davon leben. Ob es aber so notwendig sei, daß die Menschheit dauernd existiere? Ja, ob denn überhaupt ein triftiger Grund für die Existenz der Menschheit vorhanden sei, ein wirklich triftiger Grund? Er wenigstens kenne keinen. Ob Pipin einen kenne?

Und da Pipin gleichfalls nicht in der Lage war, auf der Stelle einen solchen triftigen Grund anzuführen, trug ihm Dr. Kranich auf, den Meister darüber zu interpellieren. Der Meister, der sich in den Tiefen jenseits des Denkens so gut auskenne, werde gewiß in dieser wichtigen Frage Bescheid geben können.

Pipin antwortet nichts. Er scheint doch zu argwöhnen, daß Dr. Kranich ihn zum besten hat.

*

Die Stimmung bleibt endgültig unbehaglich. Oede schleichen die Minuten; der Meister führt immer noch ein halblautes Gespräch mit dem Grafen, der, an den Brunnhofer Seppl gelehnt, ehrerbietig zuhört. Der Brunnhofer Seppl gähnt laut, indem er dabei »jaujaujau« macht. Er versteht die abwehrende Handbewegung des Grafen nicht und gähnt fort. In seiner ländlichen Ungeniertheit drückt er damit aus, daß er bei diesem Zwiegespräch vollkommen überflüssig ist. Ich fühle eine unwiderstehliche Neigung, ebenfalls »jaujaujau« zu machen.

Beim Aufbruch näherte sich Eugenie wieder dem Grafen.