Elmenreich: »Also das war's! Eindruck sollte auf mich gemacht werden! Man weiß die Stelle, wo ich verwundbar bin, und da läßt man auf diese Stelle zielen. Lieber Pipin, sagen Sie dem Grafen, daß er sich verrechnet hat. Er mag mich für einen Ertrinkenden halten, meinetwegen – aber daß er glaubt, er könne mich mit seinen ausgedroschenen Strohhalmen zu sich an's Land ziehen, das ist einfach komisch. Das Land, auf dem er sitzt, ist keine Gegend für mich, sagen Sie ihm das; lieber kämpfe ich mein ganzes Leben lang mit Wellen und Winden, bevor ich dort vor Anker gehe. Wenn man ausgefahren ist, um einen neuen Weltteil zu entdecken, darf man nicht vor dem hohen Meer bange werden ... O diese Weltumsegler! Es geht ihnen umgekehrt wie dem Kolumbus: sie verkünden mit Triumph, daß sie eine neue Welt entdeckt haben, und bemerken gar nicht, daß sie in den wohlbekannten alten Hafen eingelaufen sind, wo schon seit längeren Jahrtausenden alle abgetakelten und seeuntüchtigen Herrschaften zu landen pflegen.«
Er war sehr vergnügt geworden. Etwas wie Stolz funkelte in seinen Augen; unter seinem mächtigen Bart kräuselten sich seine Lippen in einem mutwilligen Lächeln.
Als er Pipins niedergeschlagene Miene bemerkte, klopfte er ihm auf die Schulter:
»Na Pipin, Kopf hoch! Sie sind als Lotse ausgeschickt worden, um ein vermeintliches Wrack einzuholen, und Sie finden ein gutes Fahrzeug, das seinen Kurs fortsetzt – da haben Sie keine Ursache, Trübsal zu blasen, alter Schwede!«
Ein gutes Fahrzeug, das seinen Kurs fortsetzt! War das wirklich derselbe Elmenreich, der bisher das Leben unter der Perspektive seiner Wertlosigkeit betrachtete?
Ich konnte mich nicht enthalten, eine Anspielung darauf zu machen: »Aber damals, als wir zum Fest des ersten Versuches unterwegs waren, haben Sie ganz anders geredet, Elmenreich!«
Er sah mich groß an, und verstand zuerst gar nicht, was ich meinte. Pah, eine momentane Verstimmung! Sollte man etwa für jedes Wort einstehen, das man in einem Moment des Verdrusses von sich giebt? Als ob man immer das ganze Programm seiner Existenz auf den Lippen hätte!
Ja aber – wonach könne man einen Menschen sonst beurteilen, wenn nicht nach seinen Aeußerungen?
Man solle eben nicht ewig »beurteilen« wollen –
Also nicht beurteilen, sondern sich eine Vorstellung von ihm machen, von den inneren Zuständen seiner Seele –