Ein solches Fest war nun in Quirl, einem anmutigen Dorfe im Riesengebirge, und die Musikanten bliesen eben durch das Dorf, da gab die Mutter dem kleinen Friedel ein großes Stück Kuchen, band ihm das Halstuch zurecht und steckte ihm ein Pfennigstück in die Tasche.

Friedel wollte zur Musik gehen und dabei einmal würfeln. An der Straße saß Kunz, des Nachbars Sohn, der hatte einen ganzen Beutel voll Geld, das ihm die Gäste seines Vaters geschenkt hatten, und wohlgefällig, ließ er es vor den Ohren klingen. Das war ihm lieber als die schönste Musik.

„Sieh einmal, Friedel,“ rief er dem kleinen Spielgefährten zu, „das Geld ist alles mein; ich nehme aber keinen Groschen davon weg, spare mir noch viel mehr dazu und kaufe mir ein schönes Bauerngut, wenn ich groß bin.“

Da zog Friedel sein Geld auch hervor und meinte: „Wenn ich auch nicht gerade so reich bin, wie du, so will ich mir auch kein Bauerngut kaufen, sondern einen Pfefferkuchenmann und davon sollst du ein Stück haben, Kunz.“

Als die Knaben so mit einander redeten, kam ein Schubkärrner im Dorfe herunter, ein alter, schwacher Mann, der hatte einen großen Hund mit Stricken vor das schwer beladene Fuhrwerk gespannt, und das arme Tier lechzte vor Müdigkeit und Hunger. Da der Alte ausruhte, streckte sich der Hund in den Staub des Weges nieder und winselte.

„Was fehlt denn dem armen Tiere?“ fragte Friedel mitleidig und trat näher zu dem Kärrner, indessen Kunz geschwind seinen Geldbeutel versteckte.

„Er ist hungrig und müde,“ meinte kurz der Alte.

„Ach da laßt mich ihm meinen Kuchen geben,“ bat Friedel, indem er das schwarze Backwerk in Stücke brach und den Hund streichelte. Das arme Tier verschluckte hastig den dargebotenen Kuchen und wedelte mit dem Schwanze. Darüber freute sich der kleine gute Bursche so sehr, als hätte er selbst den Kuchen gegessen, obgleich er doch ganz leer ausgegangen war.

„Du tust da dem armen Tiere Gutes,“ sagte der Alte, „vielleicht bist du auch gegen mich mitleidig, ich bin müde und durstig und ein Trunk Bier würde mir wohl tun, aber ich habe keinen Pfennig dazu.“

„Nun, dazu kann ich Rat schaffen,“ sagte Friedel gutmütig und zog sein Geldstück aus der Tasche. „Kauft euch ein Glas Bier dafür, es ist heut Kirmeß im Dorfe.“ Kunz hatte sich indessen heimlich weggeschlichen. —