tot war, und ernährte durch den Ertrag des kleinen dazu gehörigen Ackers seine alte Mutter. Kunz war nun auch an Stelle seines Vaters Schulze geworden und hatte das schönste Gehöft, den reichsten Viehstand im ganzen Dorfe. Aber er hatte keine Freude daran; die aufsteigende Gewitterwolke ängstete ihn, denn sie konnte ja seine Felder verheeren; in der Nacht floh der Schlaf sein Auge, denn Räuber konnten einbrechen und seine zusammengehäuften Schätze fortschleppen. Darüber ward er krank und schlich wie ein Schatten umher; das Gesinde haßte und fürchtete ihn, und er wiederum traute niemand; daher hielten ehrliche Leute in seinem Dienst nicht aus, und er hatte allerlei Ärger, der ihm das Leben verbitterte.

So kam er zu keiner Lebensfreude und beneidete den lustigen Friedel oft, wenn der hinter dem Pfluge hinaus aufs Feld zog und dabei pfiff oder sang, der gesund und rüstig war, und dem jedermann treuherzig die Hand schüttelte, wenn er durchs Dorf ging.

Da ward der junge Bauer einmal tief in der Nacht zum Schulzen gerufen, der seit einigen Tagen gefährlich krank war. In der spärlich erhellten Kammer fand er den armen, reichen Mann bleich und elend, dem Tode nahe. Er streckte Friedel die abgemagerte Hand entgegen und sagte matt: „Ich fühle, daß ich sterben muß und habe dich rufen lassen, weil ich großes Unrecht gegen dich auf dem Herzen habe. Erinnerst du dich noch des Geldstückes, was dir, wie wir beide noch Kinder waren, ein alter Mann geschenkt hatte? Ich betrog dich darum, denn es war ein Taler, und du hieltest ihn, für ein Spielzeug, und ich lief freudig damit zu meinem Vater, dem ich erzählte, ich hätte ihn gefunden. Am andern Tage betrachtete ich mir wieder das Geldstück und erschrak freudig, als ein zweiter Taler

dabei lag, und so oft ich nachsah, war immer wieder ein neuer dazu gekommen. Das ist ein Wundertaler, sagte mein Vater, und verbot mir, ein Wort davon zu reden. Von der Stunde an vermehrte sich unser Reichtum, denn wir hüteten uns wohl, den Wundertaler auszugeben, aber der Geizige hat keinen Genuß davon, wenn er auch Berge Goldes um sich anhäufen könnte. — Auch ich habe von dem unrecht erworbenen Reichtume keine Freude gehabt; ich ward ein harter, böser Mensch, den niemand liebte; das Geschenk jenes Alten, der, wie ich längst merkte, Rübezahl war, ist mir zum Fluch geworden, denn mit mir ist es nun vorbei. Es ist mir mit meinen erworbenen Schätzen gegangen, wie damals mit dem Pfefferkuchen, ich habe nichts davon wirklich genossen, so gierig ich auch danach war. Nun ist alles dein, dem es von Anfang an bestimmt war, du wirst einen besseren Gebrauch davon machen und Gutes tun, wo ich nur Übles getan habe. Ich bin verarmt an inneren Schätzen, inmitten des ungerechten Mammons, und darbe nun an jeder Hoffnung.“ — Ein heftiger Husten unterbrach seine Worte; er reichte mit zitternder Hand Friedel den Schlüssel zu dem Gewölbe, worin er seinen Reichtum aufgehäuft hatte und verlangte den Zuspruch des Pfarrers. Dann erklärte er Friedel gerichtlich zu seinem Erben und starb in dessen Armen, beweint von dem Redlichen.

Friedel warf den unheilvollen Wundertaler in den tiefen Waldstrom, er hatte eine Scheu, denselben, der bei Kunz so viel Unheil angestiftet hatte, zu behalten; war es ihm doch auch ohne den Wundertaler gut ergangen und stand sein Sinn nicht am meisten nach Geld und Gut. Er verwendete einen Teil des geerbten Geldes zu milden Stiftungen, bezog aber nun mit seiner Mutter das große, schöne Gut. Aber auch dort betrachtete

er sich nur als Verwalter der Besitzung, war gut und mildtätig und die Zuflucht aller Bedrängten und Notleidenden. Keiner ging ungetröstet von seiner Schwelle, und so verwandelte sich der Unsegen in Segen, die Felder trugen reiche Frucht, seine Arbeiten gelangen, und bald, geliebt von allen, ward Friedel nun der neue Schulze des Dorfes.

So hatte er denn reichlich Gelegenheit, das Gute zu fördern, und oft, wenn er nach einem redlichen Tagewerke abends unter dem Tore seiner schönen Besitzung saß, war es ihm, als sähe er die Gestalt des alten Kärrners an sich vorübergleiten und ihm freundlich zuwinken.

Der Goldmacher.

In Warmbrunn, einem berühmten Badeorte, dessen warme Quellen von Hirschen entdeckt worden sind, wohnte ein Mann, der sehr arm und dürftig war, mit keinem Menschen umging und sich nur mit chemischen Versuchen und Grübeleien beschäftigte. Er hoffte, erzählte man, das Geheimnis der Goldmacherkunst zu ergründen und große Schätze dadurch zu erwerben. Bei solcher Beschäftigung hatte er aber sein früheres Handwerk vernachlässigt, Hab und Gut an seine chemischen Versuche gesetzt und war nun so arm geworden, daß er manchen lieben Tag hungrig schlafen ging.