Um nun dies Vorhabens auszuführen, schlich sich Steffen so nahe als möglich an das Dorf und versteckte sich in einem Busche, bis es Nacht ward. Dann machte er sich ganz behutsam auf den Weg, kletterte über den Zaun und öffnete den Ziegenstall. Wider Gewohnheit war dieser unverriegelt, und so sehr ihm dies auch lieb war, fand er doch einen Grund darin, mit seinem Weibe schelten zu können über große Nachlässigkeit. Im Stall aber rührte sich nichts; er tappte an der Krippe hin — es war alles leer. Im ersten Schreck glaubte Steffen, es sei ihm ein Dieb zuvorgekommen, und war darüber so niedergeschlagen, daß er sich auf die Spreu warf, in dumpfer Traurigkeit darüber, das letzte Mittel verloren zu haben, mit dem er sich wieder aufzuhelfen gedachte.

Else hatte vergeblich mit der guten Mahlzeit auf ihren Mann gewartet und war noch spät abends nach der Landstraße gelaufen, wo sie noch lange nach Steffen sah, bis ihr die Augen weh taten. Traurig ging sie heim, denn sie dachte, es sei ihm ein Unglück begegnet, und es kam die ganze Nacht kein Schlaf in ihre Augen.

Am Morgen klopfte es leise an die Tür. Steffen war es, der die Nacht im Ziegenstalle auch eben nicht gut zugebracht hatte. „Liebes Weib,“ sagte er ungewöhnlich sanftmütig, „mache mir doch auf, ich bin müde.“ — Else hörte kaum ihres Mannes Stimme, als sie flink wie ein Reh herbeisprang und ihn vor lauter Freude umhalste, da er wieder gesund und frisch

vor ihren Augen stand. Er setzte aber ganz kleinlaut und still seinen Korb auf die Ofenbank und warf sich mißmutig daneben.

Wie Else ihn so traurig sah, ging es ihr ans Herz. „Was hast du denn, Steffen?“ fragte sie gutmütig, „ist dir etwas Schlimmes begegnet?“ Mit Seufzen und ganz kleinmütig erzählte er ihr endlich sein Unglück.

Else hätte am liebsten laut gelacht über den Possen, den Rübezahl ihrem Manne in guter Absicht gespielt hatte. Als er aber nach den Ziegen fragte, bekam sie selbst Lust, ihn ein wenig zu necken, denn dachte sie, der Hausvogt hat richtig schon überall herumspioniert. „Was kümmert dich mein Vieh?“ sagte sie, „hast du doch nicht einmal nach den Kindern gefragt. Die Ziegen sind wohl aufgehoben draußen auf der Weide. Lasse dich aber Rübezahls Tücke nicht anfechten, wer weiß, auf welchem Wege er es wieder gutmacht.“

„Da kannst du lange warten,“ brummte Steffen. „Ei nun,“ versetzte das Weib, „unverhofft kommt oft. Hast du auch keine Glaswaren und ich keine Ziegen mehr, so haben wir ja doch vier gesunde Arme, das ist der beste Reichtum!“

„Ach, daß Gott sich erbarme,“ jammerte der bedrängte Mann, „also die Ziegen sind doch fort! Nun, so kann ich die Kinder auch nicht mehr erhalten.“

„Nun, so kann ich’s,“ sprach Else. — Bei diesen Worten trat der freundliche Pfarrer herein, der die Unterredung an der Tür gehört hatte, und nachdem er dem Steffen eine tüchtige Strafpredigt über den Geiz gehalten hatte, der eine Wurzel alles Übels sei, — verkündete er ihm, daß sein Weib ein reiches Geschenk von ihrem Bruder bekommen habe und zog den Brief hervor. Und nun las er ihm vor, wie Steffen das Geld nicht in die Hände bekommen, sondern er, der Pfarrer, dasselbe verwalten