Ein Naturforscher besuchte das Sudetental und die dunkelblaue Kette der Riesenberge, die es umgrenzten; sein Auge war offen für die tausend und aber tausend kleinen Wunder, die in der Pflanzenwelt grünen und blühen, in den feinen Adern und Gängen der Mineralien klopfen. Er hatte die grüne Botanisierbüchse, die ziemlich schwer war, über die Schulter zu hängen, auch sah der Reisende sehr ermüdet aus. „Wäre ich nur so mit einem Schritt da drüben in Schmiedeberg,“ sagte er halblaut, „dort könnte ich doch meine Pflanzenfunde einlegen und trocknen; ich habe neue, seltene Exemplare darunter.“ — Aber bis Schmiedeberg hatte der Botaniker noch zwei volle Stunden bergab zu steigen und doch ging die Sonne schon tief. Der Reisende

verstärkte seine Schritte als plötzlich aus den Bäumen die gebückte Gestalt eines alten Mannes hervortrat, der mühsam ein schweres Bund Holz trug.

„Ei Alter,“ sprach der kräftige junge Mann, „das ist harte Arbeit für euch; habt ihr niemand zu Hause, der sie für euch tun könnte?“

Der Angeredete wendete sein auffallendes Gesicht um, darin ein Paar helle Augen blitzten und eine scharf gebogene Nase bedeutend hervortrat, und antwortete: „Wer sollte mir es heimtragen? Ich habe weder Weib noch Kind, auch sonst keine Anverwandten und Freunde.“

„Nun, so gebt mir’s,“ sagte der Botaniker gutmütig, „für meine Schultern ist das nur ein Spaß.“ — Dabei nahm er dem alten Manne die Last ab und trug sie neben der Pflanzenkapsel auf dem Rücken. „Wo habt ihr denn denn eure Wohnung, alter Vater?“

„Nun, ein gutes Stück in die Berge hinein, noch hinter den Grenzbauden.“

„Also wieder rückwärts — o weh, meine Pflanzen,“ sagte der junge Mann ganz leise, schritt aber doch rüstig vorwärts. Eine halbe Stunde hatte er fast versäumt durch seine Gutmütigkeit, darum warf er rasch das Gebund Holz an der kleinen Hütte nieder und sagte dem Alten Lebewohl. Aber dieser hielt ihn zurück.

„Wie weit wollt ihr denn heute noch gehen?“ fragte er.

„Bis Schmiedeberg, dort habe ich Freunde und will meine Pflanzen einlegen.“ —