„Er wird das Rosenlaub wohl auch daher haben, von wo er seine Ziege wiederbekommen hat,“ sagte der Nachbar spottend.
„Gewiß, ich habe den fremden Mann, dem ich die Ziege verkaufte, nicht gekannt,“ rief Konrad lebhaft, „und habe ihn weder zuvor, noch später gesehen!“
„Um so besser,“ fuhr der Nachbar mit höhnischer Miene fort, „wirst du den kennen, der dir den hübschen Vorrat von Goldstücken gab, die du so heimlich in deine Kammer versteckt hast!“ —
„Wie, mein Kind! Du hättest Gold gehabt und deinen Vater doch so lange Not leiden lassen?“ fragte Erdmann vorwurfsvoll.
„Vater, man kann ja damit nur spielen,“ flüsterte Konrad schüchtern. „Aber ich will dir alles erzählen!“
Und nun teilte ihm der Knabe in voller Wahrheit alles mit, obgleich er es nicht ohne geheimen Widerwillen tat, weil sein Freund Grünmantel es ihm ja verboten hatte.
„Das ist niemand anders gewesen, als der Herr des Riesengebirges, der gefürchtete Rübezahl,“ sagte Erdmann freudig, „er hat unserer Not nun auf immer ein Ende gemacht. Da er aber die Übertretung seiner Gebote oft streng zu bestrafen pflegt, wollen wir eilen, aus seinem Gebiete zu kommen.“
Und nun holten sie die Goldstücke aus der Hütte, packten ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und zogen in eine andere Gegend Schlesiens fort, um vor der Rache des Berggeistes sicher zu sein; dort kaufte Erdmann ein hübsches Häuschen und erzog Konrad zu einem braven, fleißigen Menschen, dem es stets wohl erging. Oft dachte dieser noch in den spätesten Jahren seines Lebens mit dankbarem Herzen an seinen lieben Gespielen Grünmantel.