Da verschnappte er sich und brüllte: »Wenn ich es aber doch gar nicht gegessen habe!«

Da ging der Mutter ein Licht auf – nein – verschiedene Lichtlein.

Am nächsten Tage spürte sie Peter leise nach und sah nun, mit welcher rührenden Liebe er sein Brot unter Hühner, Enten und Spatzen verteilte. Sie sagte aber gar nichts als: »Von jetzt an ißt Du Dein Brot immer bei mir in der Küche auf, mein Junge.« Und Peter verstand wohl, was sie meinte.

Würgend und kauend stand nun der Junge jeden Tag eine Stunde neben dem Herde, wo die Mutter das Mittagessen kochte, und dachte: »Das riecht gut – das riecht besser als mein Brot ohne Schmier schmeckt!« Aber gegessen wurde nun das Brot, dafür sorgten Mutters wachsame Blicke, die wie Schutzmänner daneben standen. Eines Tages wurde Mutter vor die Haustüre gerufen. Der Mann mit dem großen Wagen voller kreischender, flatternder Gänse war gekommen und Mutter mußte sich für den Winter 10 Stück davon aussuchen. »Ha«, machte da Peter und benutzte die Gelegenheit, sein trockenes Brot nicht zu essen. Aber wo sollte er es nun lassen, daß es Mutter nicht fände?

Da fiel sein Blick auf das offene Feuerloch – und drinnen lag das Brot.

Kaum aber hatten die Flammen es ergriffen, da gab es einen fürchterlichen Knall, die Herdringe flogen in der Küche umher, ein feurig leuchtendes, riesengroßes Weib mit brennenden Haaren entfuhr dem Feuerloch, packte Peter mit eisernem Griff und schoß mit ihm durch den Schornstein hinaus. Jetzt muß ich sterben! war Peters letzter Gedanke. Dann schwanden ihm die Sinne.

Als er wieder erwachte, sah er, daß das feurige Weib mit ihm weit über die Felder lief in glühendem Sonnenschein.

Da packte ihn die Angst. Mit beiden Fäusten stieß er um sich und schrie: »Laß mich los! Wer bist Du denn, Du böse Frau? Ich will zurück zu Mutter!« »Das sollst Du auch!« lachte das Riesenweib. »Aber erst komm' mal mit. Ich bin die Roggenmuhme und will Dich schnell lehren, trocken Brot zu essen.«

Sie stieg mit ihm eine Anhöhe hinab in ein finsteres Loch. Darinnen kroch sie ganz tief hinein – immer tiefer und zog Peter nun an der Hand hinter sich her. Und je weiter sie krochen, um so heißer wurde es, so daß Peter das Wasser von der Stirne lief.

Endlich stand die Frau stille und strich mit der Hand leise über die Decke des niederen Gewölbes. Da wurde diese hell und durchsichtig und hing voll lauter zarten Fäserchen und Fädchen.