Wie Peterle trocken Brot essen lernte.

Butter und Marmelade, und Pflaumenmus – das alles schmeckt gut auf der Brotschnitte! Das fand Peterle auch und aß stets vergnügt seine Stullen bis auf das letzte Krümchen auf.

Dann aber kam eine Zeit der größten Not über das Vaterland. – Da hieß es, trocken Brot essen. Die größeren Geschwister gewöhnten sich ganz schnell daran. Peterlein aber, das Nesthäkchen, streikte.

»Brot ohne Schmier, nein Mutter, das esse ich aber nicht!« jammerte er, worauf Mutter nichts weiter erwiderte als: »Du ißt es, mein Sohn, so gut wie wir alle!«

»Hm«, dachte Peter, »das meinst Du wohl so!« und verkroch sich zum Nachdenken in seinen Lieblingswinkel hinter der Laube. Das Stück trocken Brot hielt er unversehrt in der Hand.

Als er dort grübelnd saß, kam gackernd ein Huhn daher und suchte Futter am Boden. Peterle sah das Huhn an, dann das Brot in seiner Hand und schon war's geschehen! Das Brot lag im Grase, das Huhn pickte gierig daran herum. Peter frohlockte. »Ich esse bestimmt kein trocken Brot!« dachte er. »Wozu gibt es denn Hühner und Spatzen?« Von nun an jammerte er nicht mehr, so daß Mutter ihm öfters voll Zufriedenheit mit der Hand über den Lockenkopf streichelte. Da wurde Peter aber doch rot vor Verlegenheit, besonders, wenn eben draußen auf dem Hofe ein Huhn so recht zufrieden und satt gackerte.

Jedoch das Schicksal schreitet schnell. Immer konnte es ja nicht so weitergehen.

Zuerst fiel es Mutter doch auf, daß Peterle gar nicht mehr satt zu machen war. Immer wollte es noch mehr zu essen haben, sogar von den dicken weißen Bohnen, von denen er sonst sehr bald genug hatte. Das erschien der Mutter merkwürdig und als es eines Tages nur grüne Kräutersuppe gab und Peter weinte, weil er nicht satt war, meinte sie: »Wie kannst Du denn so hungrig sein, Du hattest doch um 10 Uhr ein besonders dickes Stück Brot?«