Zitternd stand Fürstin Lilie einsam in der Verbannung und weinte bitterlich.
Da krabbelte und kraspelte es zu ihren Füßen. Unscheinbare braune Käferlein waren es, die einzigen Freunde, die ihr aus den Tagen ihres Glanzes in die Verbannung gefolgt waren. Sie wisperten und tuschelten ihr Worte des Trostes zu, aber Fürstin Lilie hörte nicht auf zu weinen. Ihr Leben war zu trostlos und öde geworden. Sie achtete gar nicht auf das Flüstern der kleinen Tierchen.
Eine armselige kleine Abwechslung gab es aber doch in dem Gefängnis für sie. Durch einen schmalen Spalt in dem dunklen Gebüsch konnte sie in die Ferne blicken. Da sah sie oft ein großes, schwarzes Ungetüm vorüberbrausen und hörte es laut fauchen und schnauben und stampfen. So schnell wie es gekommen war, verschwand es aber auch immer wieder. In einer besonders dunklen Nacht erwachte sie von den wilden Tönen, die das Ungetüm ausstieß, und war geblendet. Goldgelbe, silbernschillernde, rubinrote, himmelblaue Edelsteine spie es fauchend aus. Zu beiden Seiten des Weges sanken sie hin und waren dann nicht mehr zu sehen.
»Oh, könnte ich diese wenigstens haben, um mich in meiner Einsamkeit damit zu schmücken. Dann wüßte ich doch einmal wieder, daß ich die schöne Fürstin Lilie bin,« seufzte die Stolze. – Das hörten die Käferlein – die kleinen, unscheinbaren Käferlein. Ihnen war es ja bekannt, daß das Ungetüm die Eisenbahn war, und, daß die ersehnten Edelsteine die Funken waren, die die Lokomotive im Fahren ausspie. Gerne wollten sie den Wunsch der geliebten Fürstin erfüllen. So flogen sie denn am nächsten Abend ganz leise zu der Stelle, an welcher der Eisenbahnzug vorüberbrauste. Auf ihren kleinen braunen Rücken fingen sie jedes einen der schönen, schillernden Funken auf. Wohl tat es zuerst ein bißchen weh, aber das ertrugen sie gerne.
In Scharen kamen sie nun dahergeflogen, funkelnd in dunkler Nacht, und schwirrten hinein in den traurigen Winkel hinten im Gebüsch des Parkes, und schwebten im Kreise – ganz leise, um Fürstin Lilie herum. Dann setzten sie sich ihr aufs Haupt, auf die schneeigen Schultern, die weißen Hände, und selig zitternd dankte ihnen die also königlich Geschmückte mit einem lieblichen Lächeln.
Und sehnt auch Ihr Euch einmal nach Fürstin Lilies Juwelen, dann sucht an warmen Sommerabenden in dunklen Büschen, im Grase am Wegesrande. Da werden sie Euch lieblich entgegenfunkeln und Euch umschweben, so wie sie Fürstin Lilie umschwebt haben – die lieben, kleinen Glühwürmchen.