Für Naturforscher, wie sie jetzt auf Reisen mitgenommen werden, hatte bereits Buffon eine Anleitung verfaßt. In erster Linie stehen denn auch hier die Franzosen da, so um die Wende des Jahrhunderts Péron, Lesueur, Lesson, Garnot, Quoy u. Gaymard (1826-1829 Astrolabe), Eydoux u. Souleyet (1836-1837 Bonite); aber auch Engländer, Russen (Chamisso 1815-1818 auf dem Rurik), Nordamerikaner (Wilkes 1838-1842). Azara bereiste Zentralsüdamerika von 1781-1801, Alexander von Humboldt mit Bonpland das nördliche Südamerika (1799-1804), der Prinz Wied-Neuwied 1815-1821 Brasilien, 1817 drei österreichische Naturforscher, darunter Natterer, sowie Spix und Martius, später Rengger (1818-1826), Pöppig, v. Tschudi, Castelnau und Schomburgk ebenfalls verschiedene Gebiete desselben Kontinents. Auch die Tierwelt Nordamerikas wurde durch eine große Zahl von Forschern fixiert. Australiens Tierwelt erschloß besonders John Gould von 1838 ab, die Sundainseln insbesondere Raffles, Horsfield und die Holländer Reinwardt und Temminck, Japan Phil. von Siebold. Südafrika wurde von A. Smith und K. H. Lichtenstein (von 1811 ab Professor in Berlin), Ostafrika von W. Peters (dem Nachfolger Lichtensteins von 1856 ab in der Professur der Zoologie zu Berlin) auf seine Fauna erforscht. Nordostafrika wurde eifrig von deutschen Gelehrten untersucht, so von Ehrenberg, Rüppell, v. Heuglin, Algier von Moritz Wagner (1836-1838).

Das Studium der Küstenfauna fand namentlich im Mittelmeer erneute Pflege. Um die Mitte des Jahrhunderts begannen auch C. E. v. Baer, Joh. Müller, K. Vogt, Agassiz u. a. zu zootomischen und embryologischen Zwecken das Mittelmeer und die Nordsee aufzusuchen, während ein ganz selbständiger Zweig der marinen Zoologie in Skandinavien anzusetzen begann. Hier war es nämlich M. Sars (1805-1869, ursprünglich Theologe, von 1854 ab Professor der Zoologie in Christiania), welcher die Küstenfauna Norwegens eingehend untersuchte (1846), Tiefenzonen aufstellte, die Krinoiden als noch heute existierende Tiefenformen nachwies. Auch der Engländer Edw. Forbes (1815-1854) hatte 1841-1843 im Ägäischen Meere Tiefenzonen der Faunen festgestellt, welche namentlich auch von den Paläontologen zur Erklärung der fossilen Faunen beigezogen wurden. Sars, sowie sein Sohn nahmen von 1850 ab an verschiedenen arktischen Expeditionen teil und brachten eine reiche Ausbeute an Tiefseeformen zurück. Wyville Thompson sah dieses Material und bewog B. Carpenter, den Plan einer Reise eigens zum Zwecke der Tiefseeforschung aufzunehmen. Infolge des reichen, nördlich von Schottland gewonnenen Ertrages wurde die Challenger-Expedition ausgerüstet (1872-1876), an der außer Wyv. Thompson auch John Murray teilnahm. Diese Expedition wurde die wissenschaftlich erfolgreichste Seereise. Ihr folgten zahlreiche ähnliche, aber kleinere Unternehmen in den siebziger und achtziger Jahren. Neuere, mit großen Hilfsmitteln ausgerüstete Expeditionen brachten weiteren überraschenden Zuwachs, namentlich an physiologisch interessanten Lebewesen der Tiefsee. Das Bedeutendste leisteten die Siboga-Expedition, (1898 u. ff.), die Valdivia-Expedition (1898/1899 unter C. Chun) und die Fahrten des Fürsten Albert I. von Monaco (von 1887 an). Schon Johannes Müller hatte ein wachsames Auge auf den „Auftrieb“ des Meeres, der sich mit feinen Netzen an der Oberfläche fischen läßt. Dieser Auftrieb, das Plankton, wurde insbesondere von V. Hensen, dem Kieler Physiologen, zum Gegenstand besonderer, auch quantitativer Untersuchungen gewählt (von 1887 ab), die mit Rücksicht auf die Ökonomie des Meeres unternommen wurden. S. Lovén (1809-1895, von 1840 ab Professor und Direktor des Museums in Stockholm) brach der Untersuchung des Süßwasserplanktons Bahn. P. Müller, ein Skandinavier, begann diese Studien 1870 im Genfer See fortzusetzen, wodurch die früher an Hand der Flora gepflegten geographischen Beziehungen zwischen alpiner und nordischer Lebewelt neue Nahrung fanden.

Aus der Errichtung zoologischer Laboratorien erwuchs bald das Bedürfnis, solche an die Meeresküste zu verlegen und sie speziell der Erforschung der Meeresfauna zu widmen. Der Typus dieser Stationen ist von A. Dohrn (geb. 1840, ehemals Privatdozent in Jena) geschaffen worden in der Zoologischen Station von Neapel, deren Gründung, 1870 begonnen, 1874 zur Eröffnung des Laboratoriums führte, das die Metropole aller ähnlichen Unternehmungen in allen Weltteilen geworden ist. Die Reihe der Stationen zur Untersuchung des Süßwassers wurde mit Plön (O. Zacharias 1891) eingeleitet. Anschließend mag hier die Gründung von Seewasseraquarien im Binnenland erwähnt werden, so namentlich die des Aquariums im Garten der Zoologischen Gesellschaft von London (1853), desjenigen im Jardin d’Acclimatation (1861) sowie des einzigen als selbständiges Institut errichteten Berliner Aquariums durch A. Brehm (1869).

So eröffnete sich denn auch für die Zoologie immer mehr eine Zukunft, die auf dem Wasser liegt. Durch ganz besondere Methoden des Forschens ist ein Gebiet erschlossen worden, dessen Betreten zu den geschichtlich eigenartigsten Erscheinungen der Zoographie des 19. Jahrhunderts gehört.

3. Geschichte und Bibliographie der Zoologie.

Die Geschichte der Zoologie wurde erst spät ein Gegenstand selbständiger Arbeiten. Das älteste Werk, das die Geschichte der zoologischen Systeme behandelt, stammt, wenn wir von gelegentlicher Berührung der Geschichte der Zootomie durch A. von Haller (Bibliotheca anatomica 1777) absehen, von J. Spix (1811). Ausführlicher und im Zusammenhang mit der Naturgeschichte überhaupt stellte Cuvier in Vorlesungen, die nach seinem Tode erst erschienen, die Entwicklung der Zoologie dar (1841-1845). Einen vortrefflichen Abschnitt bildet die Geschichte der Zoologie in I. Geoffroy St. Hilaires Werk (1854, Bd. I). Wichtige Beiträge zur Geschichte der Zoologie lieferte J. G. Schneider. Auch A. v. Humboldts geschichtliche Übersicht (Kosmos, Bd. II, 1847) ist noch immer beachtenswert. Die Entwicklung der vergleichenden Anatomie, freilich ohne deren Basis zu berühren, skizzierte O. Schmidt (1855). 1873 erschien J. V. Carus’ Geschichte der Zoologie, ein Werk von sehr ungleichem Wert seiner Teile, mit dem Hauptgewicht auf dem Mittelalter, unter literarisch-grammatischer Behandlung des Stoffes und ohne Kenntnis der antiken Literatur geschrieben. Eine Übersicht der neueren Zoologie vor Darwin gab E. Perrier (1884). Ein besonderes Verdienst haben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Philologen um die antiken Texte unserer Wissenschaften erworben und damit historischer Behandlung derselben Vorschub geleistet. Dies gilt besonders für Aristoteles, dessen Bearbeitung bis 1870 durch deutsche Forscher (J. B. Meyer, Frantzius, Aubert und Wimmer) und in Frankreich durch Barthélemy St. Hilaire (bis 1890) große Fortschritte gemacht hat. Über mehrere Zoologen der Neuzeit existieren zwar Biographien, doch ist der Zusammenhang zwischen den Forschern und ihren Schulen, namentlich aber die Berührung der Zoologie mit den übrigen Wissenschaften im ganzen erstaunlich wenig bekannt.

Für die zoologische Bibliographie sind Fundgruben älteren Datums die Bibliotheca universalis von K. Gesner (1545) und die Bibliotheca anatomica von A. von Haller (1774). Umfangreiche, im Stil der Enzyklopädien gehaltene Lexika der Naturgeschichte entstanden am Pariser Pflanzengarten 1782 und 1816. L. Agassiz gab (1842-1846) eine Bibliotheca zoologica et palaeontologica heraus. Von hohem Werte ist die Quellenkunde der vergleichenden Anatomie von F. W. Aßmann (1847). Die umfassendste Bibliographie schuf A. Günther in dem von 1864 ab erscheinenden Zoological Record. Ihr zur Seite trat die Bibliographie von J. V. Carus im Zoologischen Anzeiger (von 1878 ab). Nachdem bereits Cuvier und Joh. Müller zeitweise Jahresberichte von beschränktem Umfange verfaßt hatten, organisierte A. Dohrn (seit 1879) in den Jahresberichten seiner Station die Berichterstattung in umfassender Weise. Ein besonders auch praktisch zweckmäßiges Hilfsmittel richtete H. Field (seit 1895) in seinem Concilium bibliographicum ein.

Register.

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