Der Kirche.
Die Gebote des Christentums sind auch die des Solidarismus. Der höchste Beruf der Kirche ist die Verwirklichung dieser Gebote unter den Menschen: der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, der Friedfertigkeit, Barmherzigkeit und Liebe; das ist auch der Beruf des Solidarismus, welcher die erhabenen Lehren des reinen Christentums im Geiste seines Begründers auf die praktische Volkswirtschaft, auf die Organisation der Arbeit und Güterverteilung überträgt.
Das Gebot: »Deine Rede sei Ja Ja, Nein Nein, was darüber ist, das ist vom Übel«, hat der Solidarismus aufgenommen in der Verpflichtung der Brüder zu unantastbarer Wahrhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit.
Das Gebot: »Trachtet nach der Gerechtigkeit« ist ebenfalls im Solidarismus enthalten, denn er fordert eine gerechte Verteilung der Güter und Segnungen der Kultur unter allen Menschen, einem jeden nach seiner Leistung, aber ohne jemals einen auszuschließen.
»Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, ihr aber seid alle Brüder«, steht auch im Solidarismus, auch er fordert die Brüderlichkeit; die Beiträge zur Volkskasse, die Arbeit im Bienenstock sind Brüderleistungen, denn alle haben daran teil.
Das Gebot der Friedfertigkeit findet im Solidarismus in der Vorschrift seinen Ausdruck, daß alle Brüder ihre Differenzen nicht den Gerichten vorzulegen haben, sondern den brüderlichen Schiedsgerichten, welche nicht richten, sondern schlichten und versöhnen.
Auch das Gebot der Barmherzigkeit: »Richte nicht, damit du nicht gerichtet werdest«, erfüllen dieselben, denn sie verhängen keine Strafe. »Kein Bruder hat ein Strafrecht über den andern«, ist eines der höchsten Gebote des Solidarismus.
Auch das andere Gebot der Barmherzigkeit: »Laßt uns vergeben unsern Schuldigen«, schreibt der Solidarismus vor; denn der Bruder, welcher durch eigene Schuld seine Rechte verlor, ist nicht ausgestoßen; er wird, wenn er seine Brüderpflicht erfüllt, jederzeit in die Brüdergemeinde mit offenen Armen wieder aufgenommen.
Und das höchste Gebot des Christentums: »Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst«, ist es nicht auch das höchste Gebot des Solidarismus, welcher im Kapitel der Brüderpflichten also beginnt:
»Die allgemeinste und vornehmste Pflicht der Brüder ist das Wirken des einzelnen für die Gesamtheit«;