„Gehorsamster Diener, die Herrschaften! Man nennet mich den Bürokrazius.“

„Ausgezeichnet!“ sagte der Erzengel Michael und erhob sich. „Ein herrlicher, ein eindrucksvoller und ungemein heiliger Name. Der hat uns gerade noch gefehlt. Darüber wird sich der ganze Himmel freuen und alle Rindviecher auf Erden. O Sankt Bürokrazius, erachte dich also mit den gewissenhaft aufgezählten Fünfundzwanzig zum Heiligen geschlagen! Das notwendige äußere Attribut deiner neuen Würde werde ich dir sofort verleihen.“

Damit griff der Erzengel in sein Gewand, zog daraus einen funkelnagelneuen und frisch geputzten Heiligenschein hervor und setzte ihn dem Bürokrazius, der sich noch immer denjenigen schmerzenden Teil seines heiligen Leibes rieb, mit dem er dachte, auf die mächtige Glatze. Die eselslangen Ohren ragten zwar noch ein Stück über den Heiligenschein hinaus, und das Krawattel wurde plötzlich so neugierig, daß es bis an den Rand des Scheines emporstieg ... aber das tat der Leuchtkraft des Heiligenscheines keinen Eintrag.

„Und jetzo, heiliger Sankt Bürokrazius,“ sprach der Erzengel Michael feierlich, „wisse, daß du die Erde beherrschen wirst. Du wirst mächtiger und angesehener sein als alle Heiligen des Himmels zusammen. Du wirst deshalb der Herr über die menschliche Dummheit sein, weil du noch dümmer bist, als die Dümmsten unter den Menschen. Dahero wird deine heilige Dummheit von den Menschen angebetet werden als überirdische Weisheit. Behalte deinen Verstand ja im Sitzfleisch! Denn an jeder anderen Körperstelle würde es dir schweren Schaden bringen. Bewahre deine heilige Würde stets ungeschmälert! Krieche nach oben und tritt nach unten! Du hast heute deine Probe nach dieser Richtung vortrefflich bestanden. Denn wisse, jede aufgeblasene Würde kriecht, wenn sie gehörig verprügelt wird und ihren Herrn und Meister findet. Wenn du aber neuer himmlischer Eingebungen für die Ausübung deines heiligen Berufes bedarfst, dann setze dich kräftig auf denjenigen Teil deines heiligen Leibes, wo du den Verstand hast. Setze dich lange darauf, und setze dich ausdauernd darauf und denke mit seinem ganzen heiligen Umfang nach! Und es wird dir die Erleuchtung kommen!“

Längst waren die beiden anderen Erzengel bei dieser feierlichen Rede von ihren Sitzen aufgestanden. Da erhub der Erzengel Michael seine Hände und brach singend und lobpreisend in die Worte aus, in welche auch die Erzengel Gabriel und Raphael im himmlischen Jubel mit einstimmten ... „Habemus novum sanctum ... Sanctum Bürokrazium ... Stultissimum omnium sanctorum ... Bovem maximum totius orbis ... Asinum electum et egregium ... Jubilate coeli et terra!“

Mit diesem Gesang verschwanden die Erzengel vor den Augen des neuen Heiligen.

Der heilige Bürokrazius verbeugte sich tief und griff sich wiederholt an den noch immer furchtbar schmerzenden Sitz seines Verstandes.

Die Krawatitis posterior ascendens langte in heimtückischer Bosheit nach seinem Heiligenscheine.

„Gehorsamster Diener!“ sagte der heilige Bürokrazius, in Untertänigkeit schier ersterbend.