Da die Phosphorentwicklung schon in der darauffolgenden Nacht eine ganz gewaltige und mitunter sogar laut hörbare war, erwachte der hochwürdige Pater Hilarius am nächsten Morgen mit einem solchem Gefühle geistiger Stärkung, daß er sich befähigt erachtete, sämtliche Kirchenväter und Theologen zu einem geistlichen Turnier in die Schranken zu fordern.
Also bestieg er mit dem geistigen Destillat der sieben Tiroler Speckknödel und aller sonstigen dankenswerten Zutaten die Kanzel und hielt seine berühmte Fastenpredigt, die ich im Nachfolgenden zur Erbauung von männiglich im Wortlaute wiedergebe ...
Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Alle Dinge müssen einen Anfang haben. Dahero auch eine Fastenpredigt. Nun will ich aber für meine heutige Predigt den allerersten Anfang wählen, das ist die Erschaffung des Menschen.
Wenn wir dieser Erschaffung auf den Grund gehen, so ist dieselbe eigentlich für den Menschen gar nicht sonderlich schmeichelhaft. Nur die menschliche Eitelkeit hat es sich mit der Zeit eingebildet, daß der Mensch ein auserwähltes Geschöpf sei.
Lasset daher alle Eitelkeit und allen Stolz fahren, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, und bemühet euch mit mir, eurem aufrichtigen Freunde, den Tatsachen eurer Erschaffung nachzuforschen.
Wie ihr alle wissen werdet, hat der liebe Gottvater zuerst Himmel und Erde erschaffen, Land und Meer, die Pflanzen und Bäume und alles Getier, das da kreucht und fleucht. Und erst, als alles da war, vom größten Elefanten bis zum kleinsten Floh, da hat der Herrgott den Menschen erschaffen.
Aus was hat er ihn erschaffen? Aus Erde. Jawohl, aus Erde. Das schaut sich ganz schön an, wenn man nicht weiter nachdenkt.
Kann sich nun einer von euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, ernstlich vorstellen, daß man aus trockener Erde eine Figur knetet? Denn eure auferbauliche Figur, wie ihr da seid mit Kröpf’ und mit Tadel, hat doch der Herrgott aus Erde zusammengeknetet und nachher angeblasen, daß ihr eure Haxen habt rühren können.
Sintemalen nun aus trockener Erde auch der Herrgott keine Figur kneten kann, weil alles in Staub zerfallen tät, so muß das Handwerkszeug des lieben Herrgott aus feuchter oder nasser Erde bestanden haben.
Und wißt ihr, wie man nasse Erde heißt oder was nasse Erde ist? Scheut euch das kurze einsilbige Wort nicht auszusprechen; denn es handelt sich um eine sehr natürliche und alltägliche Sache, der ihr auf Schritt und Tritt begegnet.