Ihr dürfet eure Macht und Gewalt nicht aus den Händen lassen. Seid daher zu dem lieben Publico so grob, als ihr es nur immer vermöget. Seid sackgrob, seid kotzengrob! Je saugröber ihr seid, desto mehr Ehrfurcht werdet ihr in dem lieben Publikum erwecken. Betrachtet das liebe Publikum als euren gefügigen Stiefelknecht und als euren euch durch ewige Vorherbestimmung bestimmten Stiefelabstreifer. Übet euch Tag und Nacht, auf daß ihr es gehörig anschnauzet und beflegelt und jegliche üble Laune an ihm auslasset.

Vornehmlich aber müsset ihr das Schnauzen lernen. Schnauzet das liebe Publikum an bei jeder Gelegenheit oder Ungelegenheit. Schnauzet es an, daß es vor euch zittert und bebet. Dann wird es auch niemals auf die gefährliche Entdeckung kommen, wie dumm ihr seid. Denn wenn es einmal eure Dummheit entdecket, dann habt ihr eure Rollen ausgespielet auf Erden.

Es gibt aber kein besseres Mittel, euren Blödsinn zu verstecken und ihn mit dem Firnis der höchsten Weisheit zu bekleistern, als justament das Anschnauzen. Wer das Schnauzen verstehet, der brauchet keine Beweise. Vielmehro bögelt er seinen Widersacher also gründlich nieder, daß dagegen das schwerste Bügeleisen nur ein sanftes Löcken ist.

Lasset euch hängende Schnauzbärte wachsen zum Zeichen eurer Würde. Schnauzbärte also lang wie Zöpfe. Dann habet ihr drei Zöpfe hangen. Einen Zopf hinten und zwei Zöpfe vorne über euer ungewaschenes Maulwerk. Aller guten Dinge sind drei.

Ihr müsset das liebe Publikum sekkieren, schikanieren und peinigen. Denn Menschenfleisch muß gepeiniget werden. Ihr erwerbet euch dadurch unsterbliche Verdienste für den Himmel. Hinwiederum aber verhelfet ihr dem lieben Publico zur himmlischen Seligkeit. Denn es lernet in eurer Behandlung schon hienieden auf Erden so vielfältige Qualen des Fegefeuers kennen, daß es einen großen Teil seiner Sünden abbüßet und aus dem Purgatorio eurer Folterungen vom Mund auf in den Himmel fahret.

Lasset das liebe Publikum ja nie zum Denken kommen; denn sobald es denket, erschlaget es euch. Kommt ihm dahero mit dem Erschlagen zuvor wie ein geschickter Fechter seinem Widersacher. Erschlaget rechtzeitig in ihm die Fähigkeit zum Denken, auf daß ihr nicht anselbsten erschlagen werdet.

Lasset das Publikum nicht zur Ruhe kommen vor lauter neuen Verordnungen. Denn nichts frißt der Mensch lieber und gläubiger, als beschriebenes und bedrucktes Papier, vornehmlich dann, wenn es eine Stampiglie hat. Dahero habe ich euch ja auch die Stampiglien erfunden. Lasset also das liebe Publikum vor lauter neuen Verordnungen, Stampiglien und Zusatzverordnungen und Verordnungen zu den Zusätzen der Zusätze nicht mehr zur Vernunft kommen. Dadurch müsset ihr das liebe Publikum in einer immerwährenden Drehkrankheit erhalten. Denn ich warne euch noch einmal: wenn es zur Vernunft kommt, dann ist es um euch geschehen.

Es wird aber nie zur Vernunft kommen, wenn ihr meine Lehren pünktlich befolget. Schnauzen und verordnen und wieder verordnen und abermals schnauzen. Darin werden die Menschen eure höchste Weisheit erblicken, und alle werden zu euch aufschauen wie zu erhabenen Geschöpfen, und niemand wird jemals bemerken, was für Rindviecher ihr alle miteinander seid. Amen.

[ Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius.]