Reihet sich an der heilige Sankt Schnüfflian. Das ausgedehnteste organum an diesem heiligen Bildnisse ist, wie du, andächtiger Beschauer, alsogleich wahrnehmen wirst, das Riechorgan. Hier findest du die Rüsselnase des heiligen Bürokrazius bis zur höchsten Potentia entwickelt. Sankt Schnüffliani Löschhorn ist eben so lang als beweglich und dringet dahero überall hin. Es ist befähiget, dich zu beschnüffeln vom Kopf bis zu deinen Zehen. Es kriechet dir überall hinein von deinem kleinsten Kastel bis zu deinem kleinsten Leibeltaschel. Sankt Schnüffliani Nase riechet alles, auch das, was gar nicht da ist, dieweilen es vielleicht doch da sein könnte. Sie kann sogar so haarfein werden, daß sie in verschlossene Briefe dringet und deine tiefsten Geheimnisse erforschet. Sintemalen sie aber nur Nase und nicht Gehirn ist, hat sie sich auch des öfteren schon schauderhaft blamieret. Sie schnupfet den Staub der Skripturen und betrachtet diesen Toback als das köstlichste Labsal. Es hat sich noch niemand erdreistet, dem heiligen Sankt Schnüfflian einen gehörigen Nasenstüber auf seinen Gesichtsvorsprung zu geben, so daß selbiger immer länger zu wachsen und schließlich den geduldigen populus zu umschlingen drohet wie die Fangarme der Meerpolypen.

Secundum ordinem zu einem auferbaulichen Beschlusse anjetzo der heilige Sankt Corruptius. Er ist der gemütlichste und umgänglichste von allen Heiligen dieser Galleria, dieweilen er seinen Verstand in den Taschen hat und du dich dahero mit ihm am leichtesten verständigen kannst. Er wird dir in dem Maße mit seinem Verständnisse entgegenkommen, als du ihm seine Taschen füllest. Seine ganze Wirksamkeit findet sich ausgedrücket in der liebenswürdigen Frage: „Wieviel?“ Seine Linke weiß nie, was seine Rechte nimmt. Er kann nur dann beleidiget werden, wenn du ihm einen leeren Händedruck verabreichest.

Der heilige Sankt Corruptius ist das versöhnende Elementum unter seinen heiligen Kollegen. Er macht so vieles gut, was Sankt Grobian, Blödian oder Schlamprian verdorben haben. Er ist oft der einzige Ausweg, das rettende Hintertürl in allen möglichen und unmöglichen Nöten und läßt aus seinen heimlichen Taschen die Erfüllung so mancher Wünsche erstehen als ersprießlich wirkender Nothelfer, als verschmitzt und verständnisvoll lächelnder Bundesgenosse derjenigen, die es verstehen, mit dem gebührenden Nachdrucke um seine Hilfe zu beten. Aus je mehr Banknoten das Gebetbüchlein dieser andachtsvollen Seelen bestehet, je dicker und leibiger es ist, je eifriger sie seine Blätter in brünstigem Flehen wenden, desto gnädiger, huldvoller und erbarmender wird sich ihren Anliegen der heilige Sankt Corruptius zuneigen.

Womit euer getreuer Kustode die Türe der Galleria schließet und euch wiederum entlasset.

[ Von der Titel- und Ordenssucht.]

Es bleibet nunmehro weiters zu vermelden, daß sich unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius alsobald auch die Titel- und Ordenssucht auszubreiten begann. Das ist eine gar arge Sucht. Noch viel ärger, als die Maul- und Klauenseuche unter dem lieben Rindviech. Da jedoch der heilige Bürokrazius und seine Jünger das liebe Rindviech noch übertreffen, warum sollen sie nicht auch noch von ärgeren Seuchen heimgesuchet worden sein als das liebe Rindviech?

Die Titelsucht wuchs sich aber zu einer solchen Seuche aus, daß sie mit den Bandwürmern verglichen werden konnte. Denn kein Titel war den nach sotaner Auszeichnung Strebenden mehr lang genug. Je länger der Titel, desto mehr wurde er erstrebet. Ja, es soll solche lange Titel gegeben haben, daß die Titeljäger und Titelträger früher eines seligen Endes verstorben sind, bevor es ihnen gelungen ist, den erjagten Titel ganz auszusprechen.

Etwelche sind auch mitten in der Aussprache ihres Titels ersticket oder von jäher Geisteskrankheit befallen worden, insonderheit von Größenwahn. Schreiber dieser Legende muß es aus zärtlicher Fürsorge für sich selber und für seinen frommen Leser unterlassen, ihm ein Verzeichnis dieser Titel zu versetzen, dieweilen er befürchtet, ansonsten den Bandelwurm im Gehirn zu bekommen oder lectori suo eine ähnliche Krankheit zu bescheren.

Gleich gefährlich wie die Titelsucht hat sich auch die Seuche der Ordenssucht unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius zu verbreiten begonnen.

Während beim lieben Rindviech die Maul- und Klauenseuche die Freßwerkzeuge und Gehwerkzeuge des lieben Viehes affizieret, hat sich die Ordenssucht auf sämtliche Knopflöcher der Jünger des heiligen Bürokrazius geworfen.