Bedenke aber, geneigter Leser, wie viele Knopflöcher ein erwachsenes Mannsbild besitzen tut. Was muß das für ein gräulicher Zustand sein, wenn diese sämtlichen Knopflöcher vom obersten Kragenknöpfel bis zum untersten Hosenknöpfel von dieser Seuche befallen sind, immerdar gähnen wie hungrige Mäuler und triefen in Gier und unbefriedigter Sehnsucht.
Und wenn du sie auch stopfest mit einem Bändlein, Sternlein oder Kreuzlein, es werden immer noch genug Knopflöcher übrig bleiben, die nach Sättigung schreien.
Niemals ist noch der Ordenshunger ganz befriediget worden. Denn hast du es, o großgünstiger Leser, jemals erfahren, daß auch die untersten allerinsgeheimsten Knopflöcher, so ein Mannsbild sein eigen nennet, mit Ordensdekorationen ausgezeichnet worden sind? Also gibt es immer noch Knopflöcher, die elendig darben in ihrer Verlassenheit und Zurücksetzung.
Es will jedoch dem Schreiber dieser Legende erscheinen, als ob der Seuche auch dann nicht abzuhelfen wäre, wenn man auch diese untersten, bishero noch immer nicht berücksichtigten Knopflöcher gnädigst auszeichnen würde.
Es stünde alsodann zu befürchten, daß das erwachsene Mannsbild urplötzlich ganz neue Knopflöcher bekäme, die man bis anhero noch gar nicht erfunden hat.
Und es könnte sich ein Schaustück, ein noch niemals dagewesenes spectaculum ergeben, daß das Äußere eines erwachsenen Mannsbildes und Jüngers des heiligen Bürokrazius überhaupt nur mehr aus Knopflöchern bestehen würde.
Als eine unerhörte Vernachlässigung muß es jedoch Schreiber dieser Legende brandmarken, daß es noch niemandem eingefallen ist, die erhabene Bekleidung des Verstandestempels des heiligen Bürokrazius mit reichlichen Knopflöchern zu versehen, wie wir dies bei so vielen puerulis, id est kleinwinzigen Büblein zu finden gewohnet sind. Sotane Vermehrung durch besagte der Dekorierung überaus würdige Knopflöcher wäre vielleicht ein besonders heilsamer Balsam gegen die bohrenden Schmerzen der Ordensseuche geworden.
[ Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte.]
Wir aber wollen uns nunmehro zu einem freundlicheren Bilde wenden. Der heilige Bürokrazius pflegte unter seinen Jüngern auch die höhere Geselligkeit, auf daß sich nach des Tages erschöpfender Arbeit auch die höhere Fidelität, die fidelitas major atque elatior erhübe und die Pflege des Geistes keinen namhaften Abbruch erlitte.