Der heilige Bürokrazius aber, welcher zur Erkenntnis gelanget war, daß er nunmehro seine heilige missionem auf Erden vollkommen erfüllet hatte und daß er die Früchte seiner Sendung seinen Jüngern überlassen könnte, verabschiedete sich an jenem Festabend ganz besonders feierlich von seinen Jüngern.
Er sprach zu ihnen: „Hocket euch auf den Sitz eures Verstandes, meine Vielgeliebten und Getreuen! Ich will heute von euch scheiden und gen Himmel fahren, dieweilen es mich schon lange gelüstet, in dieser Gegend Nachschau zu halten, ob da droben auch alles registrieret, numerieret und ordnungsgemäß eingetragen worden ist. Mich will es völlig bedünken, daß ich in der himmlischen Gloria noch gewaltige Aufgaben zu erfüllen haben werde. Ich höre schon die Stimmen der Heiligen und Erzväter über mir, welche in Sehnsucht nach mir rufen, dieweilen ihnen der liebe Gott die auferbauliche Gesellschaft des saudümmsten Heiligen versprochen hat, der zu sein ich bekanntlich die himmlische Ehre habe. Ich hinterlasse den Menschen zu ihrem Troste dich, den heiligen Stultissimus, dich, den heiligen Grobian, und dich, den heiligen Blödian, und dich, den heiligen Schlamprian, und dich, den heiligen Schnüfflian, und nicht zuletzt dich, den lieben, guten, gemütlichen und für alle irdischen Drangsale verständnisvollen heiligen Corruptius.“
Bald nachdem der heilige Bürokrazius solches gesprochen hatte, erhub er sich und fuhr gen Himmel. Zufällig schloß gleichzeitig das neuerlich angestimmte Weihelied der Tafelrunde mit den erhebenden Worten: „D’Sau rennt davon!“
Seine Jünger starrten dem Heiligen noch lange nach und sahen den Sitz seines Verstandes gleich einem leuchtenden Gestirne zwischen den Wolken verschwinden.
Auf der dunklen Straße lauerte aber noch immer der bitterböse Kare Revoluzzer. Auch er starrte dem heiligen Bürokrazius nach, wie er gen Himmel fuhr. Seinen Lippen entrang sich der staunende Ausruf: „Da schaut’s amal den Pazi, den Bürokrazi!“ ...
Als die Jünger des heiligen Bürokrazius sich von dem Festabende entfernten, da machte sich der knallrote Kare Revoluzzer heimlich an den freundlichen heiligen Corruptius heran, nahm ihn unter den Arm und bog mit ihm in eine stille Gasse ab, wo sie weder gehöret noch gesehen werden konnten.
Dort fand eine lange Unterredung zwischen dem Kare Revoluzzer und dem heiligen Corruptius statt, die allem Anscheine nach zu einem sehr befriedigenden Resultate führte, sintemalen sich die beiden schließlich mit den untrüglichsten Anzeichen des innigsten Verständnisses und der herzlichsten Freundschaft voneinander verabschiedeten ...
Es erwies sich aber auch alsobald der himmlische Einfluß des heiligen Sankt Bürokrazius an dem bitterbösen Kare Revoluzzer.
Dieser rote Bösewicht wurde nämlich von einer innigen Verehrung für den von dem heiligen Bürokrazius schon längst gestifteten Ratstitel erfaßt. Und so begeistert war diese innige Verehrung, daß der bitterböse Kare Revoluzzer in seinem knallroten kommunistischen Freistaate lauter neue Ratstiteln einführte.
Dem Schreiber dieser Legende ist es wegen mangelnden Platzes nur vergönnet, ein paar Endsilben der betreffenden Titeln in der Räterepublik des Kare Revoluzzer bekanntzugeben, dieweilen bei jedem Titel diesen Silben noch weitere 365 Silben vorangingen, auf daß jeder Tag des Jahres einen festlichen ratsherrlichen Charakter trüge. Die nachfolgenden Titel stellen dahero nur eine durch obbesagten Grund bedungene ärgerliche Verkürzung der wirklichen Gesamttitel dar.