Dieweilen der hochwürdige Herr Prior in geistlichen Schriften sehr belesen war, machte er den Pater Hilarius auf einen Ausspruch seines berühmten Vorfahren, des Paters Abraham a Santa Clara aufmerksam. Es geschah dies im ursächlichen Zusammenhange mit der Wirkung von des Pater Hilarii Fastenpredigt auf das zarte weibliche Geschlecht.

Der hochwürdige Herr Prior meinte, daß der Pater Abraham im vorliegenden Falle nicht recht behalten habe. Denn er habe einmal gesagt: „Die Weiber seynd sonst genaturt wie das Kraut, mit dem Namen Basilicum: wann man dieses gemach und sanft streichet, so gibt es einen überaus lieblichen Geruch von sich; da man es aber stark reibet, stinkt es gar wild.“

Der Pater Hilarius habe jedoch seine andächtigen Zuhörer und darunter auch die Weiblein nicht nur stark gerieben, sondern gebürstet und gestriegelt nach allen Regeln. Und trotzdem hätten darnach gerade die Weiblein lieblich geduftet nach Speck und Schinken, nach Gugelhupf, Faschingskrapfen und Mandelbögen, nach Punschtorten und Bischkotenherzen. Da wies jedoch der hochwürdige Pater Hilarius seinen geistlichen Vorgesetzten auf den Weg der Erklärung, den ich mit euch, großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, bereits ein Stück weiter oben gegangen bin.

Der Prior mußte dem Pater Hilarius recht geben. Er nannte ihn einen großen Menschenkenner und vornehmlich auch einen großen Kenner der holden Weiblichkeit, deren Schlichen man nicht auf den Grund sehen kann und bediente man sich hiezu auch eines klafterlangen Perspektives.

Dabei ermahnte der Prior seinen geistlichen Mitbruder, er möge sich die Dummheit der Menschen zu seinem ganz eigentlichen Studium erwählen, ihr recht nachforschen, hauptsächlich auch ihre Ursachen und tiefsten Fundamente zu ergründen trachten. Denn besagtes Studium könne für das ganze Kloster nur ungemein gedeihlich sein. Das habe schon der Anbeginn der Tätigkeit des Pater Hilarius zur Genüge bewiesen.

Der Pater Hilarius versprach es seinem geistlichen Oberen, er wolle mit allem gebührenden Fleiß dem menschlichen Viehstall auch weiter seine vollste Aufmerksamkeit widmen. Zog sich in seine Zelle zurück und war Tage und Wochen nicht zu sehen.

Auf Geheiß des Priors und wohl auch aus eigenem Antriebe versorgten ihn seine geistlichen Mitbrüder fleißig mit aller erdenklichen Atzung und mit Wein, damit er in seinem anstrengenden Studium über die Dummheit der Menschen auch der leiblichen Stärkung nicht ermangele.

Es ging jedoch der Pater Hilarius bei seinen schwierigen Forschungen völlig logisch zu Werke. Er dachte sich: Jedes Ding auf Erden muß seinen Schutzheiligen haben. Also auch die menschliche Dummheit. Wenn es gelingt, ihren Heiligen zu finden, dann hat die Sache ihre himmlische Erklärung und kann dadurch leichter begriffen werden.

So durchforschte der Pater Hilarius das Leben sämtlicher Heiligen, deren er habhaft werden konnte. Keiner war aber so geartet, daß er für die menschliche Dummheit hätte verantwortlich gemacht werden können. Der hochwürdige Pater studierte die Legenden von vorne und von hinten und konnte trotzdem zu keinem Resultate gelangen.

Endlich unternahm er es, alle Heiligen alphabetisch zu ordnen, damit ihm ja keiner zu entrinnen vermochte. Als auch dieses nichts nützte, ordnete er sie zuerst nach ihren Anfangssilben und dann nach ihren Endsilben.