Dabei kam er auch auf die Heiligen mit der Endsilbe „azius“, auf die heiligen Ignazius, Bonifazius, Servazius, Pankrazius und andere Aziusse.

Ich muß hier meine gelehrte Darstellung etwas unterbrechen und zur Ehre der Tiroler Speckknödel einfügen, daß just an dem herrlichen Tage, an dem der Pater Hilarius die Heiligen auf „azius“ in Reih und Glied aufmarschieren ließ, der Pater Küchenmeister geradezu phänomenale Speckknödel hergestellt hatte, von denen ein halbes Dutzend mit einer Schüssel dampfenden Sauerkrautes dem Pater Hilarius auf seine Zelle gebracht wurden.

Diese Knödel schmeckten dem hochwürdigen Pater so fürtrefflich, daß er den zweiten Gang, der in resch gebackenem Kälbernem bestand, freundlich zurückwies und dafür eine zweite Auflage Knödel verlangte.

Seinem Wunsche wurde natürlich sofort mit gebührender Ehrfurcht entsprochen. Denn es war dem gesamten Kloster alsobald klar geworden, daß sein berühmtes Mitglied heute besonders vom Geiste der Forschung erfüllet und dahero desjenigen Nahrungsmittels in stärkerem Maße bedürftig sei, welches bekanntlich zur unmittelbaren Anregung der Gehirnfunktionen führet.

Um dieser Vergeistigung allen möglichen Vorschub zu leisten, ließ der Pater Kellermeister seinem hochwürdigen Amtsbruder gleichzeitig einen ungeheuern Krug, der niemals geaicht worden war, auf seine Zelle bringen. Ihn sollte ein sagenhafter Pater des Klosters vor vier oder fünf Jahrhunderten in drei Zügen geleeret haben und sollte darauf eines seligen Todes verblichen sein.

Sotaner Krug wurde nur bei ganz besonders festlichen Gelegenheiten zu einem feierlichen Rundtrunke hervorgeholet. Den Krug hatte der Pater Kellermeister mit dem besten und ältesten Wein des Klosters gefüllet, von dem man behauptete, daß um Mitternacht eine schwarze Katze auf dem Fasse hocke.

Das alles sei auch deshalb erwähnet, um die Verdienste der Patres Küchenmeister und Kellermeister an den nachfolgenden weltbewegenden Entdeckungen des hochwürdigen Pater Hilarius in das richtige Licht zu stellen.

Nachdem nun der hochwürdige Pater Hilarius der zweiten Knödelfuhr den Garaus gemacht hatte und auch schon ziemlich tief auf den Grund des legendären Kruges untergetaucht war, nahm er nochmals die Liste der heiligen Aziusse vor. Er ging sie lange durch, und er ging sie gründlich durch, in seinem Verstande und Gemüte wohl erwägend, ob er nicht irgendeinen heiligen Namensträger auf „azius“ vergessen hätte.

Da machte er plötzlich in seiner Zelle einen Luftsprung, lüpfte den durch Alter und Überlieferung geweihten Krug an seine Lippen, nahm einen doppelt kräftigen Kuhschluck daraus, setzte ihn wieder auf den Tisch und brach in die begeisterten Worte aus: „Jetzt aber hab’ ich dich beim Krawattel, du heimtückisch verschlossener heiliger Azius! Ignazius, Servazius, Bonifazius und Pankrazius! Eure Liste soll voll werden! O heiliger Sankt Bürokrazius! Jetzt hab’ ich dich erwischt! Und du sollst mir nicht mehr auskommen!“

Reifliches weiteres Nachdenken brachte den Pater Hilarius zu der Überzeugung, daß er in dem heiligen Bürokrazius tatsächlich den richtigen Schutzheiligen der menschlichen Dummheit gefunden hatte. Nicht nur den Schutzheiligen der menschlichen Dummheit, sondern auch denjenigen Heiligen, dessen Existenz sich überhaupt nur durch die menschliche Dummheit erklären ließ, der aus der menschlichen Dummheit gezeugt und geboren wurde.