„Ja, Herr Patscheider, noch eine Bitte!“
Jetzt sah ihm der Kaufmann voll ins Gesicht. Es lag ein Gemisch von Mißtrauen, Verachtung und persönlicher Abneigung in diesem Blick. Felix fühlte es deutlich und hätte am liebsten gar nichts mehr gesagt. Und trotzdem bezwang er sich. Der alte Rat, den er in dieser Zeit schätzen gelernt hatte, sagte ihm einmal in seiner kurzen Art: „Und wenn auch der Patscheider a bissel grob sein sollt’, macht nix. Es hat ein jeder von uns einmal im Leben einen bittern Weg gemacht. Schlucken’s die Pill’n! Es muß sein!“
An diese Worte mußte Felix nun denken, und er wußte, daß der Rat Leonhard recht hatte und daß es ihm nicht zukam, jetzt empfindlich zu sein. „Ich wollte Sie ersuchen,“ fuhr er fort, „ob Sie mir nicht Verbindungen verschaffen könnten ... Porträtaufträge? Ich bin verheiratet, habe Frau und Kind. Ein Künstler hat, wie es scheint, hier selten Gelegenheit, Bilder zu verkaufen ...“
„Das finde ich nicht!“ unterbrach ihn Johannes Patscheider und spielte ungeduldig mit seiner goldenen Uhrkette. „Im Gegenteil. Mehr wie genug wird gekauft hier!“
„Dann habe ich eben wenig Glück ...“ sagte Felix leise.
„Das kann schon sein. Das geb’ ich gern zu. Und ich weiß auch nit, ob Sie mit dem Porträtieren mehr Glück haben werden.“
„Deshalb bin ich ja zu Ihnen gekommen, Herr Patscheider. Ein Wort von Ihnen ...“
„Ein Wort von mir nützt Ihnen einen Schmarrn!“ polterte jetzt der Patscheider los. „Wären Sie geblieben, wo’s g’wesen sein! Das wär’ g’scheiter g’wesen. Wir haben keinen Mangel an Malern in Tirol. Und die z’erst da waren, die haben ’s erste Recht. Und wenn ich Ihnen einen guten Rat geben soll, dann ist’s der, daß Sie wieder schauen sollen, so schnell als möglich fortzukommen von da! Ihnere Malerei g’fallt uns einmal nit! Da kann man nix machen!“
Felix zitterte am ganzen Körper bei den rohen Worten dieses Mannes, der in seiner breiten Wucht da vor ihm stand. Felix Altwirth hielt seinen Hut in der rechten Hand und trat jetzt einige Schritte näher an den Kaufmann heran. „Ist das alles, was Sie einem Künstler zu sagen haben, Herr?“ frug er mit bebender Stimme.
„Ja!“