„Ich mach’ mit dir, was ich will ...“ sagte sie leise und flüsternd. „Du bist mein ... ganz mein!“ Fest und innig hielt sie den Mann umschlungen und küßte ihn lange und mit heißer Glut.

Völlig betäubt erhob sich Felix über eine Weile. Er hatte das bestimmte Gefühl, Wachs zu sein in den Händen dieses Weibes ... alles tun zu müssen, was sie wollte ... als Sklave ihrer Liebe, als ein unfreier Mensch in seinen Handlungen.

„Sophie, spiel’ nicht mit mir ...“ bat er sie jetzt fast schüchtern. „Es könnt’ ein Unglück geschehen. Du bist mir alles! Mein Gott und mein Schicksal! Mein Leben und meine Kunst!“

Und Sophie verstand es, ihn so zu beruhigen, daß er alle seine Zweifel über Bord warf und auf ihre Treue geschworen hätte.

In den Stunden, in denen sich Felix der Verwirklichung seiner großen Arbeiten widmete, da war es immer und immer wieder Sophie, die ihm den Ansporn gab. Sie war ihm Modell geworden. Ohne sie konnte er sich keines seiner Werke denken.

Er malte sie so, wie er sie kannte. Ihre Glut, ihre Leidenschaft und die Rätsel ihres Wesens, die sie ihm auferlegte, alles fand sich in seinen Studien wieder. Und wenn er eine blonde, helle Frau malte, so gab er den Augen die zehrende, verlockende Sehnsucht ihres Blickes. Es war sie, ihr Körper, ihr Gesicht und ihre Seele, die ihn stets aufs neue fesselten ...

Doktor Storf war wieder einmal zu Felix gekommen und hatte diesen nicht angetroffen. Das Dienstmädchen führte ihn, wie sie das stets zu tun pflegte, in das Atelier des Malers. Herr Altwirth müsse bald kommen, sagte sie.

Der Arzt hatte Platz genommen und blätterte interessiert in den zahlreichen Skizzenbüchern, die verstreut auf den Tischen herumlagen. Max Storf sah, daß es fast durchwegs dieselbe Frauengestalt war, die den Künstler begeistert hatte. Er glaubte diese Frau gut zu kennen, und unwillkürlich mußte er lächeln über die schwärmerische Bewunderung für sie, die ihm aus den künstlerischen Entwürfen entgegenglühte.

Max Storf saß bequem mit übereinander geschlagenen Beinen in einem der weichen Polsterstühle und hatte sich so sehr in ein Skizzenbuch vertieft, daß er es gar nicht bemerkte, wie Adele Altwirth schon seit einiger Zeit das Atelier betreten hatte und ihn mit ruhigem Blick beobachtete.

Als er zufällig aufschaute, sah er die junge Frau in der Mitte des Raumes stehen. Der fahle Schein des Tageslichtes fiel durch die hohen Fenster, fiel auf ihre schlanke Gestalt und ließ ihr weiches, aschblondes Haar hell aufleuchten.