Bei Felix Altwirth jedoch stand die Sache anders. Er wußte es noch immer nicht mit Bestimmtheit, wie die Beziehungen zwischen Sophie und Max Storf eigentlich beschaffen waren.
Als er Sophie einmal deswegen zur Rede stellte, lachte sie ihn aus. „Aber Felix, Schatz! Was glaubst du denn? Jetzt, wo ich dich hab’!“ sagte sie und nestelte sich zärtlich an ihn. „Da gibt’s doch überhaupt keinen andern Mann mehr für mich auf der Welt!“ log sie ihm dreist ins Gesicht.
Felix jedoch, der mißtrauisch geworden war, gab nicht nach. Für ihn war Sophie bald wieder zu jenem hohen Ideal geworden, das sie in seinen Jugendjahren gewesen war. Er hörte wohl das Gerede der Leute. Aber alles in ihm sträubte sich, daran zu glauben. Nur ab und zu tauchten Zweifel über ihre Treue in ihm auf. Der Gedanke, daß dieses Weib, das er mit so verzehrender Glut liebte, auch einem andern zu eigen sein könnte, machte ihn rasend.
„Du darfst niemandem gehören, Sophie, nur mir!“ forderte er im drohenden Tone. „Ich ertrag’s nicht. Hörst du?“
„Aber Schatz!“ lachte die Sophie ausgelassen. „So eifersüchtig bist du! Da könnt’ man sich ja völlig fürchten vor dir!“ sagte sie schmeichelnd und zog ihn mit sanfter Gewalt zu sich nieder.
In dem Atelier des Malers standen jetzt weiche Polstermöbel, tiefe Lehnsessel, in die man sich versenken konnte. In einem dieser wohlig weichen Sessel hatte Sophie Platz genommen und Felix zärtlich zu sich gezogen, so daß er vor ihr auf den Knien zu liegen kam. Dann bettete sie seinen Kopf in ihren Schoß und zauste ihm mit ihren beiden Händen spielerisch das volle blonde Haar.
Felix machte sich gewaltsam los von ihr. „Fürchten, ja, das kannst du dich auch, wenn ...“ rief er leidenschaftlich.
„Wenn? ...“ frug sie innig und hielt ihm ihre vollen Lippen zum Kusse hin.
„Weib!“ sagte Felix schwer atmend. „Du ... du hast mich ja ganz in deiner Hand! Du ...“
Sophie hielt nun den Kopf des Malers in ihren Armen, so daß er das erregte Klopfen ihres Herzens hören konnte.