„Ja, das ist wahr!“ bestätigte die Baurätin. „Viel’ haben wir nit wie den Patscheider!“
„Ja, aber der Doktor Rapp ...“ warf die Patscheiderin mit spöttischer Miene ein. „Der ist ja alleweil noch der G’scheiteste!“
„Nein. Jetzt nimmer!“ Die Frau Haidacher schüttelte ernst den Kopf. „Das mit der Sophie hat ihm doch etwas geschadet. Ist’s eigentlich nit wert, das Frauenzimmer!“ fügte sie bedauernd hinzu.
„Wär’ er ledig blieben!“ sagte die Patscheiderin bissig.
Frau Haidacher sah die Frau Patscheider einen Moment scharf an, dann meinte sie ruhig: „Ja ... für ihn wär’s auch besser g’wesen ... Aber für Ihren Mann ist’s besser so, wie’s ist!“
Die Frau Professor Haidacher spielte darauf an, daß der Einfluß und die Macht, die Valentin Rapp einmal in der Stadt besessen hatte, jetzt langsam, aber sicher im Abnehmen begriffen war ... und daß Johannes Patscheider heute mehr als je eine mächtige Stellung innehatte.
Siebzehntes Kapitel.
Feierlich läuteten die Glocken der Stadt das Christfest ein. In langsamen, getragenen Tönen, mächtig und gewaltig, freudig und traurig zugleich. Denn es gab viel Trauer in den Familien der Stadt. Der Tod hatte Einkehr gehalten in den Mauern und sich seine Opfer unter den jüngsten der Menschenkinder geholt. Mit würgender Hand hatte er gewütet und die kleinen Lieblinge aus den Armen ihrer Mütter gerissen.
Es gab viel Trauer in der Stadt ... Und da, wo noch Lust und Freude herrschten, da lauerte die Angst in den Augen der Mütter, die um das Leben ihrer Kinder bangten.