„Ja, mir auch!“ stimmte die Patscheiderin eifrig bei. Sie freute sich, daß sie die Apothekerin ärgern konnte mit ihrem Lob über die Frau des Malers. „Und wenn sie nit gerade die Frau vom Felix Altwirth wär’, dann hätt’ mein Mann nix dagegen, daß ich mit ihr verkehren tät’. So gut g’fallt sie mir!“ behauptete sie.

„Was hat denn Ihr Mann gegen den Altwirth einzuwenden?“ forschte die Professorin erstaunt.

„Es ist doch auch ein Innsbrucker!“ sagte die Frau Robler.

„Natürlich!“ stimmte die Baurätin bei. „Da kann man schon verkehren damit! Man weiß ja, wo er her ist!“ beruhigte sie dann selber ihr Gewissen.

„Mein Mann halt nix vom Altwirth seiner Malerei!“ sagte die Patscheiderin hochfahrend. „Das hab’ ich Ihnen schon g’sagt. Und deshalb will er auch nix weiter zu tun haben mit ihm!“ erklärte sie im bestimmten Ton.

Es trat für einen Augenblick Schweigen ein in der Gesellschaft. Die Apothekerin ärgerte sich innerlich so wütend, daß sie in ihrer Aufregung eine Schale Kaffee nach der andern hinunterstürzte. Sie wußte gar nicht, daß sie es tat, sondern schluckte und schluckte nur immer krampfhaft, bis ein lustiges Lachen der Professorin sie darauf aufmerksam machte.

„Um Gotteswillen, Frau Tiefenbrunner! Sie trinken uns ja den ganzen Kaffee weg!“ rief die Professorin neckisch und zwinkerte der Apothekerin schalkhaft zu. „Krieg’ ich noch ein Schalerl, oder darf ich jetzt einen Wein trinken?“

„Einen Wein natürlich!“ sagte die Apothekerin und erhob sich geschäftig, um dem Dienstmädchen beim Verteilen der Gläser behilflich zu sein.

Die heitere, harmlose Art der Professorin hatte bewirkt, daß Frau Therese ruhiger geworden war. Und nicht ohne Dankbarkeit schenkte sie jetzt der Frau Haidacher als der allerersten von dem guten Tropfen ein. Das war eigentlich gegen das herkömmliche Zeremoniell. Denn da ging’s in solchen Fällen strenge zu, je nach Alter und Rang der einzelnen Damen.

Die Frau Direktor Robler stocherte mit der Gabel nachdenklich in dem Kuchen herum, der vor ihr auf dem Teller lag, und sagte zu ihrer Nachbarin laut, so daß es alle hören konnten: „Der Patscheider ist doch ein recht g’scheiter Mann! Mein Mann sagt’s immer, wenn wir den nit hätten in Innsbruck, nacher wär’s g’fehlt!“ sprach sie anerkennend.