Johannes Patscheider hatte stets ein offenes Herz und eine offene Hand, wenn es galt, etwas im Interesse der Stadt zu unternehmen. Er war dem Plane des Malers Altwirth im Prinzip nicht abgeneigt. Er wußte, daß es dem Ansehen der Stadt nur nützen konnte, wenn sie über einen Kunsttempel verfügte. Aber er sträubte sich anfangs im obstinaten Eigensinn gegen diese Erkenntnis.
Erst durch Sophiens Einfluß wurde dieser Eigensinn besiegt. Aber nicht ganz. Denn wenn er jetzt einlenkte, wenn er durch sein Geld ein Werk ins Leben rief, das nicht nur ihn selber, sondern auch den Maler Felix Altwirth gewissermaßen unsterblich machte im Land ... dann wollte er auch diejenige sein eigen nennen, um derentwillen er seinen Starrsinn gebrochen hatte.
Sophie zitterte an allen Gliedern, als sie jetzt in ihrem eleganten Straßenkleid vor Patscheider stand. Sie mußte ihre ganze Kraft aufwenden, um ihrer Stimme die nötige Festigkeit zu geben.
„Aber heute, Herr Patscheider, heute schicken’s mich ohne ein Resultat nit fort von da! Das sag’ ich Ihnen!“ meinte sie mit erzwungener Lustigkeit. „Heute sagen’s ja oder nein!“ erklärte sie resolut. „Wenn Sie nein sagen, dann wissen wir wenigstens, woran wir sind!“
„Aber liebe ... schöne Frau Doktor ...“ sagte der Kaufmann ausweichend und nötigte Sophie gewaltsam, Platz zu nehmen. „Sind’s doch nit so grausam! Ja oder nein! Zu Ihnen kann man doch nur ja sagen!“ scherzte er, indem er näher an sie heranrückte und ihr mit verliebten Augen dreist ins Gesicht starrte. „Sie sind ja ...“
Sophie überlief ein Schauder. Fast ängstlich rückte sie von ihm ab, um ihn ja nicht zu nahe an sich kommen zu lassen.
„Nein ... nein ...“ erklärte sie entschlossen und ohne ihn anzusehen. „So fangen’s mich heut’ nimmer ein! Ich frag’ jetzt, und Sie antworten nur mit ja oder nein!“
„Einverstanden!“ sagte der Patscheider höflich. „Also fragen’s!“
„Soll das Projekt vom Maler Altwirth ausgeführt werden?“
„Ja!“