„Das will ich ihm aber ankreiden ... dem ...“ drohte Valentin Rapp empört.
Frau Sophie Rapp hatte noch lange zu tun, um das Klopfen ihres Herzens zu beruhigen. Sie mußte ruhig werden ... so ruhig, daß sie mit Leichtigkeit auch die letzten Zweifel aus der Seele des Gatten verscheuchen konnte.
Zwanzigstes Kapitel.
Es war nur eine momentane Beruhigung, die Sophie Rapp bei dem Gatten erreicht hatte. Die Zweifel und das Mißtrauen setzten sich fest in seiner Seele, nagten an ihm und quälten ihn unausgesetzt bei Tag und bei Nacht.
Noch öfters stellte der Rechtsanwalt seine Frau zur Rede, fragte sie in Güte und versuchte durch Strenge die Wahrheit zu ergründen. Denn er fühlte es, daß Sophie ihn in jener Nacht belogen hatte. Wie ein Aal war sie ihm entschlüpft und hatte ihn dann schließlich mit echt weiblicher List besiegt.
Doktor Rapp ahnte es mit Bestimmtheit, daß er hintergangen worden war. Und dieses Gefühl einer fortwährenden Unsicherheit reizte ihn, machte ihn unruhig und hart und in einem so hohen Grade mißtrauisch, daß er jetzt jedem Wort, das Sophie sprach, eine andere Bedeutung unterlegte.
Er peinigte sie unaufhörlich mit seiner Eifersucht. Verfolgte und beobachtete sie auf Schritt und Tritt. Sie war jetzt ganz und gar unfrei geworden. Mußte ihm Rechenschaft ablegen über jeden Weg und sogar über verdächtige Blicke, die er bemerkt haben wollte. Wie ein gehetztes Wild, geängstigt und bedrückt ging Sophie herum.
Sie wagte es jetzt nur äußerst selten mehr, Felix Altwirth aufzusuchen. Und dann waren es jedesmal nur kurze, flüchtige Besuche in den späten Vormittagsstunden. Sophie hatte Angst vor dem Gatten. Sie wußte, daß es ihr nur durch die allergrößte Vorsicht gelingen würde, ihn wieder in seine alte Unbefangenheit zurückzuversetzen. Noch nie war sie ihm so treu gewesen wie in dieser Zeit. Treu selbst in ihren Blicken und in ihrem ganzen Gehaben.
Es war gut für Felix Altwirth, daß er gerade jetzt so vollauf mit dem Plan der Nationalgalerie beschäftigt war. Das zerstreute ihn, lenkte ihn ab, und er empfand die Trennung von Sophie nicht in dem Maße, wie es wohl sonst der Fall gewesen wäre. So fügte er sich willig in Sophiens Anordnungen und quälte sie nicht mit trüben Stimmungen. Bei seiner leicht erregbaren Natur wäre das sonst nicht ohne die heftigsten Verzweiflungsanfälle vorübergegangen.