Sophie hatte Felix von dem veränderten Gemütszustand ihres Gatten berichten müssen. Sie hatte es ihm sagen müssen, daß nur die größte Vorsicht imstande wäre, den Verdacht, den Valentin Rapp nun einmal gegen sie gefaßt hatte, wieder zu mildern.

„Weißt, Felix,“ hatte Sophie gesagt, „wenn du jetzt vernünftig bist und dich drein fügst, dann wird alles wieder recht. Wirst sehen, es geht schnell vorbei bei ihm, und dann können wir wieder glücklich sein und wieder füreinander leben!“ tröstete sie ihn.

„Es ist aber hart, Sophie!“ sprach Felix traurig. „Dich so nahe zu wissen ...“

„Meinst, mir wird’s leicht?“ frug sie ernst. „Es muß halt sein. Damit nix herauskommt. Denk’ nur, wenn ...“

„Hast du Angst, Sophie?“ frug Felix besorgt.

Sophie schaute mit unsicheren Blicken auf den Maler. Sie hatte Angst vor dem Gatten, wollte es Felix aber nicht eingestehen.

„Angst?“ Sie zuckte die Achseln. „Angst grad nit ...“ erwiderte sie ausweichend. „Aber stell’ dir das Höllenleben vor neben einem eifersüchtigen Mann! Das wär’ ja für die Dauer nit zum Aushalten.“

Sophie wußte es selber nicht, warum sie Felix ihre Angst nicht eingestehen mochte. Vielleicht war es im Unterbewußtsein ein Gefühl, daß sie es verhüten wollte, den Geliebten gegen den Gatten aufzureizen. Und das wäre sicher der Fall gewesen, wenn Felix eine Ahnung von dem eigentlichen Sachverhalt gehabt hätte. Auch von jenem nächtlichen Auftritt mit ihrem Gatten hatte sie Felix kein Wort erzählt.

So waren einige Wochen vergangen, und Sophie begann erleichtert aufzuatmen. Sie sah, daß Valentin Rapp ruhiger wurde, wieder mehr derjenige, der er früher war.

Aber Mißtrauen und Zweifel zerstören die Seele eines Menschen wie ätzendes Gift. Fressen sich tiefer und tiefer, und der leiseste Anlaß genügt, die Verheerung, die sie angerichtet haben, offen zutage treten zu lassen.