Und wieder kämpfte die Sehnsucht nach dem Weibe mit dem lauernden Verdacht.

Wenn sie nun doch unschuldig war?

Wie ein freudiger Schreck durchzuckte es den Mann.

Er würde Wache halten hier unten und dann ... dann ... morgen ... nicht heute ... dann würde er zu ihr kommen als ein Reuiger. Niederknien würde er sich vor ihr und ihr alles bekennen. Und sie würde ihn in ihre Arme nehmen, weich und lind, und würde ihn küssen ... küssen ... wie nur Sophie küssen konnte.

Vom Turm schlug der helle Glockenton halb ein Uhr. Das Licht im Wohnzimmer erlosch. Gott sei Dank! Valentin Rapp atmete auf. Nun ging sie schlafen.

Es war alles dunkel im Haus. Kein Laut. Und wieder harrte Valentin Rapp und sah abwechselnd bald auf die dunklen Fenster seiner Wohnung und bald auf den Garteneingang hin. Erwartungsvoll ... dann immer gleichgültiger.

Valentin Rapp fröstelte. Es fiel ihm ein, daß er noch kein Obdach hatte für die heutige Nacht. Später ... dann würde er nach Pradl gehen. Da kannte er einen Gastwirt, der verschwiegen war. Der Rechtsanwalt hatte ihm einmal Gutes tun können. Seither war ihm der Mann ergeben.

Ein Uhr ...

Horch ... Etwas regte sich ... Der Glockenschlag hatte den einsamen Mann im Gartenhaus aufgeschreckt. Oder war es ein Laut gewesen, ein Ton?

Sorgfältig spähte Valentin Rapp durch die Dunkelheit. Es war ihm, als wäre oben im ersten Stock ein Fenster geöffnet worden. Er konnte es nicht sehen ... es war zu dunkel.