Sie kämpften miteinander ... stumm und wortlos ... Sie kämpften um die Waffe ... Es war ein kurzer, heißer Kampf ... Da ... Felix lag zu Boden ... er hatte die Waffe ... Der Rechtsanwalt sah es nicht, daß er zum Stich ausholte.
Valentin Rapp wälzte sich in blinder Wut über seinen Gegner ... er beugte sich über ihn ... ein Ruck ... Felix drückte den Dolch, den er fest in der Hand hielt, in die Brust des Mannes ...
„Ah ...!“ Es war ein Stöhnen ... ein unterdrückter Schrei, der sich dem Munde des Rechtsanwaltes entrang. Die Hand hielt er an die Brust gepreßt ... die Augen geschlossen ... den Kopf nach hinten. Dann fiel er mit Gepolter zur Seite. —
Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte das Weib auf ihren Gatten ... sie konnte sich nicht rühren ... kein Glied bewegen ... Sie sah das Todeszucken des Mannes, und sie hörte sein Röcheln ... Sie hielt den Atem an ... starrte ... wollte schreien ... um Hilfe rufen ... und konnte nicht. Sie sah nur immer hin auf das Opfer, das zu Boden lag ... Ein Dehnen ... ein Recken ... Dann ... dann war er ruhig ...
Und nun löste sich die lähmende Spannung in Sophiens Gliedern. Langsam und lautlos kniete sie sich nieder ... und auf den Knien kroch sie zu dem Gatten hin ... langsam ... von Angst und Entsetzen erfüllt ... Sie tastete ihm mit zitternder, fieberheißer Hand ins Gesicht ... er bewegte sich nicht und hatte die Starre des Todes.
Sachte ließ sich das Weib an der Seite der Leiche nieder und bettete den Kopf des toten Mannes in ihren Schoß. Und dann weinte sie ... leise ... fast lautlos ...
In einer Ecke des Zimmers stand Felix. Das Entsetzen über seine Tat hatte ihn betäubt ... er konnte es noch nicht fassen ... Tot ... Er hatte den Mann getötet ... ein Mörder ... nun war alles vorbei ...
Eine tiefe, unheimliche Stille herrschte in dem kleinen Raum. Sie konnten einander nicht in die Augen schauen ... die beiden Schuldigen ... sie starrten nur immer wie gebannt auf das wachsbleiche Gesicht des Toten.
Mit sanftem Druck hatte Sophie dem Gatten die Augen geschlossen ... Sie konnte diesen brechenden Blick nicht mehr sehen. Es tat ihr so wehe ... wehe ...
Sie hatte ihn lieb gehabt ... die Frau ... ehrlich lieb. Und sie war ihm dankbar gewesen ... und trotzdem hatte sie ihn betrogen ... betrogen ... weil sie nicht anders konnte.