Jetzt, da ihr Felix alles bekannte ... da auch der letzte Rest von Hoffnung geschwunden war ... da fühlte die Frau, wie etwas in ihrem Innern langsam erstarb.
Sie konnte nicht schreien ... sie konnte nicht beten ... sich nicht rühren. Es war kein Entsetzen in ihr und keine Anklage. Sie starrte nur vor sich hin ... mit leeren Blicken. Und war bleich und reglos und ohne Wort und Gefühl.
„Hast du kein gutes Wort für mich, Adele?“ bat Felix schüchtern über eine Weile. Er sah die totenähnliche Starrheit seiner Frau ... die er nicht deuten konnte. „Ich bin zu dir gekommen ... in meiner Not. Du sollst mich leiten ... mich führen.“
Aber Adele gab keine Antwort. Sie konnte ihre Gedanken nicht sammeln ... sie konnte nicht sprechen. Sie fühlte nichts als ein inneres Erkalten ... das ihr wehe tat.
„Adele ...“ Nun näherte sich Felix zaghaft der stillen Frau. „Kannst du so grausam sein? Kannst du mir nicht verzeihen?“ bat er leise.
Sie hörte gar nicht, was er sprach. Sie erlebte jetzt im Geiste jede Einzelheit jener Nacht, von der ihr Felix berichtet hatte. Und dann dachte sie an Sophie.
„Adele ...“ bat Felix noch einmal mit demütig schüchterner Stimme und sah angstvoll auf seine Frau. „Hast du kein Wort mehr für mich?“
Nun sah ihn Adele an. Leer und kalt war ihr Blick.
„Sophie ...“ sagte sie mit tonloser Stimme. „Hast du an sie gedacht?“
„Tag und Nacht denk’ ich an sie. Immerfort. Das treibt mich ja zum Wahnsinn ... dieser Gedanke ...“