„Und kannst doch weiterleben?“ frug Adele leise.
„Adele ...“ sprach Felix mit heiserem Ton. „Ist das alles, was du sagst? Ist das ... soll ich ...“ Er war jetzt vor sie hingesunken und barg seinen Kopf wie ein Verzweifelter in ihrem Schoß. Ein rauhes Schluchzen erschütterte seinen Körper. Er weinte ... weinte laut und ohne Tränen.
Allmählich wich die innere Starrheit von Adele. Sie sah auf den Mann, der hier in seinem wilden Schmerz vor ihr lag ... bei ihr Trost und Kraft und Zuflucht suchte.
Sie hatte kein Mitleid für ihn und keine Liebe. Aber ein anderes Gefühl regte sich in ihr. Das war das Bewußtsein einer Pflicht. Sie wußte, daß sie dem Manne jetzt eine Stütze sein mußte.
Nicht seine Richterin durfte sie werden ... sondern der gute Kamerad, der ihn zu leiten und zu lenken hatte. Dieses Bewußtsein gab ihr Kraft und Stärke und ließ sie gut und ruhig zu ihm sprechen.
„Nein ... Felix. Das sollst du nicht ...“ sagte Adele jetzt mit klarer Stimme. „Jetzt nicht ...“ fügte sie leiser hinzu. „Dann ... später ... wenn du ruhiger geworden bist ... Dann gibt es für dich nur einen Weg ... den Weg zur Wahrheit! Und den mußt du gehen ... Felix ... mußt stark sein um ihretwillen ... wie Sophie es für dich gewesen ist.“
Und lange noch kniete Felix zu Füßen seiner Frau. Das trockene Schluchzen, das seine Brust erschüttert hatte, löste sich, und allmählich wurde er gefaßter.
Leise legte Adele ihre Hand auf das Haupt des Gatten. Er fühlte es und nahm es hin wie einen Segen.
Ob er den Mut zur Wahrheit finden würde?
„Willst du mit mir gehen ... Adele ...“ bat Felix leise. „Daß ich nicht so allein bin.“