„Ja ... Felix. Ich gehe mit dir. Ich verlass’ dich nicht!“ sagte Adele ruhig.
Es lag ein heiliger Ernst in ihren Worten. Ihre stille Sicherheit hatte einen tröstenden Einfluß auf den Mann. Und um vieles ruhiger war er jetzt in den nächsten Tagen. Ruhiger und gefaßter ...
Und wieder kamen die Tage der Weihnacht. Wieder läuteten die Glocken um Mitternacht ... riefen die Andächtigen zur Mette in der heiligen Christnacht.
Es war still bei den Altwirths. Kein Baum ... und kein Lichterglanz ... keine Festesfreude und keine Hoffnung.
Vor einem Jahr ... da lebte noch die kleine Dora ... das blonde Kind ... mit seinen sonnig blauen Märchenaugen.
Adele hatte heute nachmittag ein kleines goldglitzerndes Christbäumchen auf das Grab des Kindes getragen.
Und jetzt stand sie am Fenster ihres Wohnzimmers und sah hinaus in die sternenhelle, funkelnde Winterpracht des Himmels. Feierlich läuteten die Glocken um Mitternacht von der Wiltener Kirche herüber. Ernst und mächtig klangen sie ... anders wie bei Tage.
Friede auf Erden ... Die blonde Frau in ihrem schwarzen Trauerkleid sprach die Worte leise vor sich hin ... Friede auf Erden ... Friede den Menschen, die eines guten Willens sind ...
Sie wollte eines guten Willens sein ... wollte den Frieden auf Erden halten, so gut sie es vermochte.
Mit ruhigem Blick sah Adele in das sternenfunkelnde Glitzern des Nachthimmels. Sie dachte an ihr totes Töchterchen ... und eine große, übergroße Sehnsucht nach dem Kind erfüllte sie.