„Schwester ...“

„Kind ... wir wollen beten ...“ sagte die Schwester. „Beten zu unserer lieben Frau ... um eine glückliche Sterbstund’ ...“

„Schwester ...“ flüsterte die Kranke wieder ... „Kann man was bereuen ... das einen so glücklich g’macht hat?“

„Kind ... alle Sünden kommen vom Bösen ...“ Mit bebender Stimme sagte es die alte Schwester. Sie sah, daß die Schatten des Todes immer näher kamen, und ihr Herz klopfte aufgeregt und unruhig. Leise erhob sie sich und zündete die Wachskerze an. Rückte das Tischchen näher an das Bett, legte die Hände der Sterbenden ineinander und umwand sie mit ihrem eigenen Rosenkranz. Dann kniete sie nieder ... faltete die Hände und betete.

Der graue Morgen sah zu dem Fenster herein mit einem vollen Schimmer und mengte sich mit dem trüben Licht der dämmerigen Lampe und der Sterbekerze.

Sophie hatte die Augen geschlossen und lächelte. Lächelte innig und lächelte selig. Und ihre Lippen öffneten sich sehnsüchtig und verlangend.

„Und vergib uns unsere Schuld!“ betete die Schwester mit lauter, aber zitteriger Stimme.

„Schuld?“ hauchte Sophie mit stockendem Atem. „Schuld?“

„Tu’ beten ... Sophie ... bereu’ ...“ drängte die Schwester Salesia angstvoll. „Du hast dein’ Mann getötet ... bereu’ ...“

Und wieder seufzte die Sterbende. Aber sie sagte kein Wort. Sie lächelte nur.