Im Zimmer brannte das schwache Licht einer kleinen Lampe. Der Schein fiel gedämpft auf Sophie, die jetzt mit einem fast verklärten Antlitz auf die Schwester sah.

„Schwester Salesia ...“ fing Sophie zu reden an ... „wirklich ... ist’s so weit?“ Sie zeigte mit einer matten Bewegung ihrer Hand auf die Wachskerze ... deren Bedeutung sie kannte. Es war die Sterbekerze ... hochgeweiht und gesegnet. Bei dem ersten Anzeichen des letzten Kampfes sollte sie entzündet werden.

„Still sein, Sophele ... Still sein ...“ begütigte die Schwester. Unwillkürlich und wie selbstverständlich kam ihr diese Anrede, die sie der Frau als Kind gegeben hatte. „Deswegen brauchst nit zu sterben, kannst schon wieder besser werden. Ganz gut ...“ tröstete sie. „Ganz wie’s unsers Herrn Willen ist.“

„Ich will aber gern sterben ... Schwester ...“ sagte Sophie ruhig. „Recht gern. Freu’ mich drauf ...“ fügte sie matt hinzu.

„Und hast so gern gelebt ...“ Die alte Schwester sagte es mit Wehmut.

Ein tiefer ... glücklicher Seufzer hob die kranke Brust der Sterbenden.

„So gern ... So unendlich gern ...“ flüsterte sie selig. Dann schloß sie die Augen und lag still und friedlich da.

Die alte Klosterschwester neigte sich lauschend über sie.

„Tu’ alle Sünd’ bereuen ... Sophie ...“ mahnte sie mit zitternder Stimme. „Tu’ dein Leben aufopfern ...“

„Schwester ...“ Voll und weit schlug Sophie die Augen auf und schaute auf die alte Schwester, die mit angstvollem Blicke sah, wie plötzlich fahle Blässe über das Gesicht der Kranken zog.